Fördern statt selektionieren
Das Schweizer Bildungssystem befindet sich laut Markus Zürcher in einer Krise. Es fehlen nicht nur tausende Lehrpersonen, auch in der Pflege oder im Ingenieurwesen mangelt es an Fachkräften. Was bildungspolitisch zu tun ist, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, zeigt der Soziologe in diesem Essay.
Das Bundesamts für Statistik prognostiziert, dass in der Schweiz bis 2031 auf Primarstufe rund 45’000 neue Lehrkräfte benötigt, aber nur 34’000 Personen ausgebildet werden können. Auch in anderen Bereichen fehlen Fachkräfte ein Mangel, der sich laut Markus Zürcher mit der technologischen Entwicklung noch verstärken werde. Zürcher sieht die Ursache für die fehlenden Fachkräfte in einem Schulsystem, das durch Selektion und Notendruck soziale Ungleichheiten verstärkt. Die frühe Einteilung der Schüler·innen nach Leistung reproduziere soziale Unterschiede, die stark vom Bildungsgrad und Einkommen der Eltern abhängen. Reformen hätten an den überkommenen Strukturen wenig verändert. Zürcher plädiert für einen Paradigmenwechsel: Statt sich am Bedarf des Arbeitsmarkts auszurichten und früh zu selektionieren, solle die Volksschule den Fokus auf individuelle Förderung, Resilienz, Sozial- und Fachkompetenz legen. Angesichts einer sich ständig wandelnden Arbeitswelt, müsse es ihr Ziel sein, lebenslanges Lernen und eigenständiges Denken zu fördern.
Zitiervorschlag
Publikation bestellen
Erhalten Sie ein kostenloses Printexemplar.



