Erste umfassende Auswertung der Studierendenzahlen in den Geistes- und Sozialwissenschaften
05. August 2026
Kontext
Trotz umfangreicher Daten fehlte bislang ein systematischer Überblick über die Entwicklung der Studierendenzahlen in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Die SAGW hat das Forschungs- und Beratungsunternehmen econcept deshalb mit einer Analyse beauftragt. Der nun vorliegende Bericht zeigt, wie sich die Studierendenzahlen in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fachbereichen an Schweizer Universitäten und Fachhochschulen von den 1980er Jahren bis 2024 entwickelt haben und welche Faktoren für diese Entwicklung relevant waren. Die quantitativen Befunde werden ergänzt durch qualitative Interviews mit Fachleuten aus der Berufs- und Laufbahnberatung.
Vier Ergebnisse
Absolute Entwicklung
Die absolute Anzahl der Studierenden in den Geistes- und Sozialwissenschaften ist zwischen 1980/81 und 2023/24 von rund 18 000 auf rund 59 300 gestiegen und hat sich damit in gut vierzig Jahren mehr als verdreifacht. Berücksichtigt wurden Bachelor- und Masterstudierende an Universitäten und Fachhochschulen. Die Zahlen sind vor dem Hintergrund des Bevölkerungswachstums zu betrachten, das seit 1980 mehr als 40 Prozent beträgt. Auch die Gründung der Fachhochschulen Ende der 1990er Jahre und die Umsetzung der Bologna-Reform ab den 2000er Jahren hatten einen Einfluss auf die Studierendenzahlen.
Relative Entwicklung
Relativ betrachtet betrug der Anteil der Studierenden in den Geistes- und Sozialwissenschaften an den Gesamtstudierendenzahlen an universitären Hochschulen 1980/81 35 Prozent und erreichte 2004/05 mit 41 Prozent seinen Höchststand; Seither sinkt er und beträgt 2023/24 gut 28 Prozent. An den Fachhochschulen sieht es anders aus: Kurz nach deren Gründung lag der Anteil bei rund 30 Prozent; in den darauffolgenden Jahren sank der Anteil bis 2018/19 auf rund einen Viertel ab. Seither steigen die Zahlen wieder leicht. 2023/24 studieren rund 28 Prozent in einem geistes- und sozialwissenschaftlichen Fachbereich. Dazu zählen Design, Musik, Theater und andere Künste, Angewandte Linguistik, Soziale Arbeit sowie Angewandte Psychologie. Die relative Rückläufigkeit der Studierendenzahlen in den Geistes- und Sozialwissenschaften steht in Zusammenhang mit dem relativen Wachstum anderer Fachbereiche, vor allem der mathematisch-naturwissenschaftlichen und der technischen Disziplinen.
Entwicklung innerhalb der Geistes- und Sozialwissenschaften
An Universitäten wachsen die Sozialwissenschaften tendenziell, während Geisteswissenschaften proportional eher stagnieren oder rückläufig sind. Den stärksten Rückgang verzeichnen die Sprach- und Literaturwissenschaften. Bei ihnen ging der Anteil von rund 13 Prozent aller Studierenden 1981/82 auf 4 Prozent 2023/24 zurück. Auch historische- und kulturwissenschaftliche Disziplinen stagnieren proportional oder sind rückläufig.
Studienwahlgründe
Bei der Wahl eines geistes- oder sozialwissenschaftlichen Studiums stehen intrinsische Motive (Interesse, Begabung, Werte) im Vordergrund. Überlegungen zu Berufs- und Einkommensaussichten gewinnen insgesamt aber an Bedeutung. Die Beratungsfachpersonen sehen diese Tendenz verstärkt seit der Covid-Pandemie.
Bildungsantwärter·innen aus dem Ausland, deren Anteil an der Gesamtstudierendenzahl an Universitäten und Fachhochschulen in den letzten Jahrzehnten angestiegen ist, wählen ihr Studienfach nach anderen Kriterien als Bildungsinländer·innen. Sie führen beispielweise signifikant häufiger arbeitsmarkt- und einkommensbezogene Gründe an. Die Beratungspersonen weisen darauf hin, dass auch das Prestige der Hochschule und Englisch als Unterrichtssprache für sie wichtige Faktoren sind (wovon namentlich die ETH und die EPFL mit ihrem technisch-naturwissenschaftlichen Fächerangebot profitieren).
Alle Auswertungen finden Sie in der Publikation Studienwahl. Zahlen und Trends in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Den Bericht können sie unten herunterladen oder hier gratis bestellen.
Kontakt
Für Rückfragen steht Ihnen Lea Haller, Co-Generalsekretärin der SAGW, zur Verfügung ( lea.haller@sagw.ch oder 031 306 92 51).
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