Early Career Award 2025

Ein neuer Name für den Preis und drei Preisträgerinnen – das Wichtigste der Preisverleihung 2025 auf einen Blick.

27. Mai 2025

Der einstige «Nachwuchspreis» der SAGW heisst seit 2025 Early Career Award. Stéphanie Soubrier (Universität Genf), Madeline Woker (Collegium Helveticum / University of Sheffield) und Magdalena Breyer (Universität Basel) überzeugten die Jury 2025 mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit.

Erster Preis

Ein Schlaglicht auf die «Boys» an Bord der französischen Dampfschiffe

Sie wurden überwiegend aus den kolonialisierten Bevölkerungsgruppen Frankreichs rekrutiert und leisteten Dienst auf den Schiffen der Messageries Maritimes, der ersten grossen französischen Reederei: die «Boys». Weil sich weder die Wirtschaftsgeschichte noch die Geschichte der Arbeiterbewegung mit ihnen auseinandersetzten, gerieten die Hausangestellten auf den Passagierschiffen der Imperien lange Zeit nicht ins Blickfeld der historischen Forschung. Stéphanie Soubrier schliesst diese Lücke.

Im Zuge der Globalisierung und des damit verbundenen intensiveren Seeverkehrs wurden die Dampfschiffe zum Schauplatz von ausgeprägten Hierarchien zwischen den Passagieren aus den Metropolen und den «Boys» aus Übersee. Das kollektive Porträt, das aus dem preisgekrönten Artikel hervorgeht, stellt das stereotype Bild des verweiblichten und unterwürfigen Arbeiters in Frage. Soubrier zeigt, wie durch die Anstellung sowohl Widerstand als auch Mobilität der «Boys» ermöglicht wurden. Die Bemühungen der Reederei, Einwegreisen zwischen Kolonien und Metropolen sowie Desertion, Schmuggel oder die gewerkschaftliche Organisation zu unterbinden, blieben erfolglos.

Das Bild zeigt Stéphanie Soubrier, Anne-Sylvie Dupont und Madeline Woker. Die Jurypräsidentin des Early Career Awards und die ersten zwei Preisträgerinnen.
Von links nach rechts: Stéphanie Soubrier (Erster Preis), Anne-Sylvie Dupont (Jurypräsidentin), Madeline Woker (Zweiter Preis).© Pierre-Yves Massot

Zweiter Preis

Die Entstehung von Steueroasen besser verstehen

Die zweite Preisträgerin, Madeline Woker, geht von einer zunächst simplen Feststellung aus: Die französischen Kolonialgebiete haben sich auf lange Sicht nicht zu Steueroasen entwickelt – im Gegensatz zu den britischen. Woran liegt das? Dieser Frage geht die Historikerin nach, indem sie den Aufstieg und Niedergang von Steueroasen im französischen Kolonialreich zwischen Mitte der 1920er und Ende der 1950er Jahre nachzeichnet.

In der Zwischenkriegszeit vergrösserte sich die Kluft zwischen den Steuersätzen in den Metropolen und jenen in den Kolonien. Zahlreiche Unternehmer und Politiker waren bereit, gesetzliche Regelungen zu schaffen, die eine niedrigere Besteuerung in den Kolonien begünstigten. Das führte auch in Frankreich dazu, dass Kolonialunternehmen ihren Sitz zunehmend ins Ausland verlegten. Doch anders als im britischen Empire befürchtete Frankreich erhebliche Einnahmeverluste – und träumte gleichzeitig von neuer Grösse und Macht des Landes. Die französischen Behörden waren daher weit weniger geneigt, diese Entwicklung ungehindert zuzulassen. Dabei spielte das französische Finanzministerium eine Schlüsselrolle: Wo immer möglich, widersetzte es sich der Umwandlung der Kolonien in Steueroasen und weigerte sich, die Gesetzgebung in diesem Sinne zu ändern. Madeline Woker unterstreicht somit die Rolle des Staates bei der Schaffung (oder Verhinderung) von Steueroasen.

Dritter Preis

Mehr Stimmen für die Grünen aufgrund der ungleichen Vertretung der Geschlechter

In westeuropäischen Parlamenten stieg der Frauenanteil in den 1980er Jahren zunächst rasch an, von einer Gleichstellung ist man heute jedoch nach wie vor entfernt – der Fortschritt zu einer paritätischen Repräsentation stagniert seit rund dreissig Jahren. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die politische Gesinnung der Bürgerinnen und Bürger? 

Magdalena Breyer hat in Deutschland eine Umfrage durchgeführt, aus der sich mehrere Erkenntnisse gewinnen lassen. Erstens, dass Männer durch die bessere Vertretung der Frauen in der Politik zwar implizit einen Statusverlust erleben, dies bei ihnen aber nicht zu einer Gegenreaktion in Form von Ressentiments oder die Wahl der Alternative für Deutschland (AfD) führt. Zweitens, dass Frauen angesichts einer empfundenen Stagnation im Gleichstellungsprozess tendenziell für progressive Parteien, insbesondere die Grünen, stimmen. Sie erhoffen sich dadurch eine bessere Repräsentation in der Politik. Und schliesslich, dass sowohl Männer als auch Frauen die zunehmende Vertretung von Frauen und damit den Fortschritt in Richtung Gleichstellung positiv bewerten. Breyer zeigt, dass progressive Parteien sozial aufsteigende Bevölkerungsgruppen (wie Frauen) mobilisieren können, indem sie bestehende Ungleichheiten thematisieren.

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