Tora und Shira. Untersuchungen zur Musikauffassung des rabbinischen Judentums

Heidy Zimmermann, Tora und Shira. Untersuchungen zur Musikauffassung des rabbinischen Judentums, Publikationen der SMG, Bd. 40, 2000.

Die PSMG im OA

Ausgangspunkt von Tora und Shira ist die Einsicht, dass der Musikbegriff des rabbinischenjudentums mit geläufigen musikwissenschaftlichen Kategorien nicht zu beschreiben ist. Die interdisziplinäre Studie geht den musikbezogenen Denkformen der rabbinischen Tradition in zwei exemplarischen Fallstudien auf den Grund und stützt sich methodisch auf ethnologische, literatur- und sprachwissenschaftliche Ansätze. Dabei werden alle Quellentexte in Übersetzung geboten. - Der erste Teil beschreibt den gesungenen Vortrag der Tora in der Synagoge als ein kulturelles Schlüsselritual, mit dem Musik praktiziert wird. Aufgrund von historischen Quellen sowie anhand von Beispielen aus eigener Feldforschung zeigt Heidy Zimmermann, welche Funktion dieser Gesangspraxis zukommt, wie sie als System mit einer eigenen Notationsweise funktioniert und wie sie in einem komplexen Zusammenspiel von mündlicher und schriftlicher Überlieferung bewahrt wird. Im zweiten Teil werden die Spuren des biblischen Meeresliedes (Exodus 15) in der frühjüdischen Literatur, in Talmud und Midrasch verfolgt. Aus einem weitgespannten Netz von Anspielungen auf dieses prototypische Lied (Shira) ergibt sich ein differenziertes Bild von den Bedeutungen, die Musik und Gesang in der Vorstellungswelt des rabbinischenjudentums zugeschrieben werden.