«Fragmentum ex motett» – Die «Herdringer Handschriften» als Spiegel musikalischer Analyse im 16. Jahrhundert?
17. November 2026 — 19.30 Uhr — Hörsaal ZT 5.T07, Ebene 5, Toni-Areal, Pfingstweidstr. 96, Zürich
Angelika Moths
Eine Koproduktion des Institute for Music Research mit dem Profil Interpretation & Performance des DMU sowie der SMG, Sektion Zürich.
Die Herdringer Handschriften (um 1540) enthalten Fragmente teils bedeutender, teils gänzlich unbekannter Kompositionen aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Ihre Notationsweise in Partitur ist für die Zeit bereits spektakulär, doch liefern sie darüber hinaus auf aussergewöhnliche Art und Weise Einblick in das musikalische Denken der Zeit, da mit Kreuzen und Anmerkungen besondere Merkmale der Komposition hervorgehoben wurden – wohl als Ergänzung zu Musiktraktaten, die der Schreiber offensichtlich gut kannte. Doch scheinen diese Exzerpte wenig mit dem zu tun zu haben, was wir heute unter «musikalischer Analyse» verstehen. Denn anders als in der modernen Analyse verfolgt der Schreiber keine semantischen oder ästhetischen Ziele. Zudem präsentiert Angelika Moths neue Erkenntnisse zur Provenienz des Schreibers und bisher nicht identifizierbaren Stücken.
Angelika Moths studierte Cembalo am Koninklijk Conservatorium in Den Haag, Generalbass und Theorie der Alten Musik an der Schola Cantorum in Basel sowie Musik-, Kunst- und Islamwissenschaft an der dortigen Universität. Nach Lehrtätigkeiten u. a. in Basel und Bremen ist sie heute wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Musikwissenschaft der Universität Zürich, Dozentin für Musiktheorie an der ZHdK und für Notation an der Schola Cantorum in Basel. Als Musikerin ist sie mit verschiedenen Ensembles im Bereich der historischen Aufführungspraxis und der orientalischen Musik tätig. 2008 hat sie in Damaskus die Wiederaufführung der Oper «Zenobia» von Tommaso Albinoni geleitet und 2015 in L’viv «Amazonki» von Józef Elsner.