Eine klassische Tradition im postkolonialen Kontext: andalusische’ Musik aus Algerien in Frankreich
19. November 2026 — 18.30 Uhr — Seminarraum 120, Mittelstrasse 43, 3012 Bern
Talia Bachir-Loopuyt (HEM Genève - Neuchâtel)
Die klassischen Musiktraditionen Nordafrikas, die gemeinhin als arabisch-andalusische Musik bezeichnet werden, haben sich seit der Zeit der Dekolonisierung in den sich wandelnden Kontexten der postkolonialen Staaten Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen neu formiert. In Frankreich haben sich ihre Praxis und Verbreitung in den letzten Jahrzehnten ebenfalls weiterentwickelt: einerseits spezifisch, andererseits in vielfältigen, teils institutionell wenig gefestigten Formen, getragen von Vereinen, Festivals und Medien, die sich an unterschiedliche Publika richten. Der Vortrag untersucht die Modalitäten der Verbreitung dieser klassischen Repertoires, insbesondere aus Algerien, in diesem postkolonialen Kontext. Zugleich fragt der Beitrag nach der vergleichsweise geringen Sichtbarkeit dieser Praktiken in französischen Weltmusikprogrammen. Ebenso wird das weitgehende Schweigen der französischen Musikethnologie zu diesen Phänomenen problematisiert, obwohl sie seit Jahrzehnten in Frankreich existieren und in jüngerer Zeit verstärkt Gegenstand kultureller Produktionen geworden sind (Podcasts, Filme, Ausstellungen). Abschliessend stellt sich die Frage, wie musikethnologische Ansätze solche Phänomene adäquat erfassen können.