SMG Basel

ABGESAGT : Geschichtspolitik auf der Opernbühne: Wagner, Pfitzner und das Aufführen von Musikgeschichte

24. März 2026 — 18.15 Uhr — Vortragssaal des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Basel, Petersgraben 27

in Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Basel

Musikgeschichte wird nicht nur geschrieben und gelesen, sie wird auch kom- poniert, gesungen, gespielt, gehort und gesehen. Geschichte, schreibt der Theaterwissenschaftler Freddie Rokem, kann an sich nur wahrgenommen werden, wenn sie rekapituliert wird, wenn wir irgendeine Form von Diskurs, wie das Theater, schaffen, aufgrund dessen eine organisierte Wiederholung der Vergangenheit konstruiert wird, die die chaotischen, reißenden Strome der Vergangenheit in einen asthetischen Rahmen stellt. Aufgefuhrte Musik- geschichten, wie sie seit dem 18. Jahrhundert auf den europaischen Musikthe- aterbuhnen zu finden sind, verhandeln musikhistorische Praktiken, Ereignisse oder Artefakte ebenso wie gesellschaftliche Verhaltnisse und politische Ziele; oft (aber nicht immer) begegnen uns dabei historische Figuren. Lebendig und erfolgreich ist diese Art der Auseinandersetzung mit Musikgeschichte bis heu- te, sei es im Musical, im Schauspiel mit Musik oder in der Oper.

Ausgehend von Rokems Uberlegungen zum Theater als Diskursraum fur Ge- schichte denke ich in meinem Vortrag uber Geschichtspolitik auf der Opern- buhne nach. Als Fallbeispiele dienen mir hierfur zwei Repertoireopern des langen 19. Jahrhunderts: Richard Wagners Meistersinger (1868) und Hans Pfitzners Palestrina (1917). Beide Opern verknupfen die Auseinandersetzung mit Musikgeschichten des 16. Jahrhunderts mit geschichtspolitischen Diskur- sen ihrer Entstehungszeit (insbesondere Nationalismus und Antisemitismus), die uber die lange und kontinuierliche Auffuhrungsgeschichte der Opern im- mer wieder reaktualisiert werden. Gleichzeitig wird auch immer wieder neu um sie gestritten. Wie verhalt sich dieses gesellschaftliche Potential von Musik- theater als Diskursraum zur (durchaus auch problematischen) Asthetisierung von Geschichtspolitik in der Oper?

Anna Langenbruch ist Professorin fur Kulturgeschichte der Musik an der Carl von Ossietzky Universitat Oldenburg. Sie forscht und veroffentlicht zur Kulturgeschichte von Exil und Migration, zur Geschichte und Theorie der Musikhistoriographie, zum Musiktheater des 18.–21. Jh. sowie zu Wissen- schaftsgeschichte und Gender Studies. 2016–2022 leitete sie die Forschungs- gruppe Musikgeschichte auf der Buhne: Konstruktionen der musikalischen Vergangenheit im Musiktheater im Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Publikationen u.a. zu Klang als Geschichtsmedi- um (Bielefeld 2018) und Musikgeschichte auf der Buhne – Performing Mu- sic History (Bielefeld 2021); aktuelles Buchprojekt: Musikgeschichtstheater. Nachdenken uber Musik und Geschichte). Ihre binationale Promotion an der HMTM Hannover und der EHESS Paris schloss sie 2011 mit einer Arbeit zu Handlungsmoglichkeiten exilierter Musiker*innen im Paris der 1930er Jahre ab (erschienen als Topographien musikalischen Handelns im Pariser Exil, Hil- desheim 2014).

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