Guillaume Castella ist der Preisträger des Marta-Walter-Preises 2026

Der Marta-Walter-Preis 2026 geht an den Musikwissenschaftler Guillaume Castella für seine Dissertation über die opera buffa im liberalen Italien. Der alle zwei Jahre von der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft (SMG) verliehene Preis ist mit CHF 3000.– dotiert und zeichnet eine herausragende musikwissenschaftliche Dissertation aus.

01. September 2026

Guillaume Castella
Guillaume Castella© Anthony Ramser

Eine innovative Forschung zum italienischen Opernschaffen

Für den Marta-Walter-Preis 2026 wurden rund ein Dutzend Bewerbungen eingereicht. Nach einer Bewertung der Arbeiten hinsichtlich ihrer Originalität, ihres Beitrags zur Erweiterung des Forschungsstands und ihrer methodischen Stringenz verlieh die Jury der SMG den Preis einstimmig an Guillaume Castella für seine Dissertation Tutta ed esclusivamente propria degl’Italiani: L’opera buffa dans la réflexion critique et identitaire de l’Italie libérale, die er unter der Leitung von Anselm Gerhard an der Universität Bern verfasst hat.

Durch die Breite seiner Untersuchung und die Qualität seiner Analysen führt diese Forschung zu einer grundlegenden Neubewertung der Geschichte der italienischen Oper im 19. Jahrhundert. Indem sie die Vorstellung eines Niedergangs der opera buffa nach der italienischen Einigung infrage stellt, macht sie die ästhetische, kritische, philosophische und politische Vitalität dieses Genres sichtbar und eröffnet neue Perspektiven für die Erforschung der Oper, der komischen Gattungen und der europäischen Kulturen.

Der Werdegang des Preisträgers

Guillaume Castella ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Haute école de musique (HEM) in Genf. Von 2020 bis 2023 war er als Forscher an der Universität Bern im vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Projekt «Zwischen Erhabenheit und Lächerlichkeit: Die Entwicklung der musikalischen Dramaturgie im vereinigten Italien» tätig. Im Rahmen seiner 2024 an der Universität Bern abgeschlossenen Dissertation befasste er sich unter anderem mit der späten Rezeption Rossinis und deren Einfluss auf die opera buffa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seine Forschungsgebiete umfassen insbesondere die musikalische Dramaturgie, die Musikhistoriografie und Fragen der kulturellen Identität im liberalen Italien sowie musikalische Praktiken in der Oper des 19. Jahrhunderts.

Parallel zu seiner akademischen Laufbahn ist er als Sänger tätig. Seit 2016 singt er im Chor der Opéra de Lausanne. 2024 trat er dem Zusatzchor des Grand Théâtre de Genève sowie dem Ensemble vocal de Lausanne bei. Regelmässig wirkt er an Projekten des von Adriano Giardina geleiteten Ensembles für Alte Musik La Sestina (NE) mit.

Der Marta-Walter-Preis 2026 wird am 25. September 2026 in Luzern im Anschluss an den vierten Studientag der SMG verliehen.