Liesl Graz Fonds
Zum Gedenken an die Journalistin und Autorin Liesl Graz hat die SGMOIK einen Fonds eingerichtet. Dieser soll die Erstellung und Verbreitung von journalistischen Artikeln sowie von Beiträgen zur Wissenschaftskommunikation über den Nahen Osten und Nordafrika (MENA) fördern.
Journalismus und Forschung fördern
Liesl Graz war langjähriges Mitglied der SGMOIK und eng mit der Gründung unserer Gesellschaft im Jahr 1990 verbunden. Nach ihrem Tod in April 2023 erhielt die SGMOIK ein Vermächtnis von CHF 10’000. In Absprache mit ihren Nachkommen beschloss der Vorstand, diese Mittel entsprechend ihrem Willen und im Sinne ihres Engagements einzusetzen.
Der Fonds unterstützt zwei Arten von Initiativen:
- journalistische Beiträge über die MENA-Region, verfasst von Journalist:innen mit Bezug zur Schweiz;
- Beiträge zur Wissenschaftskommunikation für ein breites Publikum, verfasst von Forschende, die von Journalist:innen im Rahmen eines Mentorats begleitet werden.
Diese Initiativen sind Teil des Projekts der SGMOIK zur Wissenschaftskommunikation. Im Einklang mit den Wünschen von Frau Graz soll dabei, soweit möglich, ein besonderes Augenmerk auf Arbeiten zu Regionen gelegt werden, in denen Türkisch oder Farsi gesprochen wird.
Die SGMOIK verpflichtet sich, diese Mittel verantwortungsvoll und im Einklang mit ihrem Auftrag und den Wünschen von Liesl Graz einzusetzen und insbesondere auf die Sicherheit der beteiligten Journalist:innen zu achten. Auf unserem Blog gibt es eine eigene Rubrik zum Liesl-Graz-Fonds, in der die mit dieser Unterstützung entstandenen Beiträge vorgestellt werden.
Eine lebenslange Verbindung zur MENA-Region
Liesl Graz wurde 1932 in Deutschland geboren. Als Kind verliess sie ihr Heimatland und wuchs in den USA auf. Nachdem sie einen ersten Universitätsabschluss am Wellesley College in Boston gemacht hatte, setzte sie ihr Geschichtsstudium an der Sorbonne in Frankreich fort.
Als verheiratete Mutter von drei in den 1960er-Jahren geborenen Söhnen begann sie anschliessend eine erfolgreiche und vielseitige journalistische Laufbahn. Sie arbeitete für zahlreiche Zeitungen wie Réalités und Santé du Monde, die Zeitschrift der Weltgesundheitsorganisation, Die Zeit (Hamburg), Le Journal de Genève, La Liberté, The Observer (London) oder Middle East International (Beirut). Während vieler Jahre war sie zudem Schweizer Korrespondentin für die britische Wochenzeitung The Economist, für die sie zahlreiche Artikel über den Nahen Osten und Nordafrika verfasste.
Bei einer Konferenz in Bahrain im Jahr 1975 entwickelte Liesl Graz ein tiefes Interesse an dieser Region. Sie nahm damals als Kommunikationsbeauftragte des International Council on Alcohol and Addictions (Internationalen Rat für Alkohol- und Drogenprobleme) an der Konferenz teil. In den folgenden Jahren unternahm Liesl Graz mehrere längere Reisen und zahlreiche kürzere Aufenthalte in der Region. Ihre Reisen führten sie von den Hauptstädten bis in abgelegenere Gebiete, von Kurdistan bis in den Sudan und vom Jemen bis in den Iran. Eine besondere Vorliebe entwickelte sie für das Sultanat Oman.
Liesl Graz ist Autorin von vier Büchern über die arabisch-persische Region: L’Irak au présent (Les Trois Continents, 1979); Les Omanis, nouveaux gardiens du Golfe (Albin Michel, 1981) – auf Englisch erschienen unter dem Titel The Omanis: Sentinels of the Gulf (Longman, 1982) –, Le Golfe des Turbulences (L’Harmattan, 1990) – ebenfalls auf Englisch veröffentlicht als – The Turbulent Gulf (Tauris, 1990, revised edition in 1992) – und Mon dîner chez Saddam (L’Harmattan, 2005).
Neben ihrer Karriere als Journalistin und Schriftstellerin engagierte sich Liesl Graz intensiv in mehreren Berufsverbänden, die mit ihren Interessensgebieten in Verbindung stehen, wie dem Verband der Auslandspresse in der Schweiz und in Liechtenstein sowie Reporter ohne Grenzen.
Ihren Geist weitertragen
Mit der Unterstützung von Journalismus und Wissenschaftskommunikation möchte der Liesl-Graz-Fonds ihr Vermächtnis weiterführen: das Vermächtnis einer Journalistin, die neugierig auf die Welt war, die Realitäten vor Ort aufmerksam verfolgte und dazu beitragen wollte, die Realitäten des Nahen Ostens bekannter zu machen.
Die SGMOIK spricht Liesl Graz und ihrer Familie ihren tiefen Dank für dieses Vermächtnis aus, das es heute ermöglicht, ein ihr wichtiges Anliegen in anderer Form weiterzuführen.
Die bisher mit Unterstützung des Fonds publizierten journalistischen Texte
Palästinenser im Libanon – Ein Leben im Abseits
von Meret Michel
(basierend auf dem Buch «Beirut: Splitter einer Weltstadt»)
Erdoğans BRICS-Balanceakt
von Çiğdem Akyol
(veröffentlicht in Partnerschaft mit Zenith)
Réfugiés syriens au Liban : la triple impasse
von Emanuel Haddad
(veröffentlicht in Partnerschaft mit Le Courrier et Orient XXI)
Die bisher mit Unterstützung des Fonds publizierten Blogbeiträge
Glaube und Kritik – Ein Widerspruch? Ṣidīqa Vasmāqīs radikale Neuinterpretation des Islam
von Mina-Karima Hatef