Projekt Katalogisierung der Handschriften der Kantonsbibliothek Lausanne und der Waadt, 2025-2028

Bearbeiter*innen: Dario Binotto, Pauline Jacsont

Die Handschriften­landschaft des heutigen Kantons Waadt ist, unter anderem infolge der langen Zuge­hörigkeit zum Alten Bern (1536–1803), aus­gesprochen hetero­gen und wurde noch nie in ihrer Gesamt­heit untersucht. Eine im Vorfeld des Projekts durch­geführte Bestands­auf­nahme zählte 76 Hand­schriften, eine Portolan-Karte, 13 un­voll­ständige Hand­schriften und über 200 Frag­mente. Die Resulate wurden publiziert von Marina Bernasconi Reusser, Pour un répertoire des manuscrits médiévaux du canton de Vaud, in: Revue historique vaudoise 132 (2024), S. 23-40.

Das Projekt­ziel der von 2025–2028 laufenden Kata­logisierung mittel­alter­licher und früh­neu­zeit­licher Hand­schriften, die in öffent­lichen Ein­rich­tungen des Kantons Waadt auf­bewahrt werden, ist somit ein doppel­tes: einer­seits sollen – wie in den bis­herigen Katalogen des Kura­toriums – die Bestände der grös­seren Ein­rich­tungen erfasst und be­schrieben werden. Es sind dies in erster Linie

45 in der BCUL aufbewahrte Hand­schriften und 8 Frag­mente, darunter die berühmte illuminierte Biblia Porta (e-codices) aus dem 13. Jahr­hundert; sie stammt aus Frank­reich und wurde von der Biblio­thek von einem privaten Besitzer erworben. Andere Hand­schriften der BCUL stammen aus dem ur­sprüng­lichen Bestand der Ancienne Aca­démie de Lausanne oder aus der Biblio­thèque des Cèdres. Hinzu kommen mittel­alter­liche Hand­schriften aus ver­schie­denen Familien­beständen und Privat­archiven sowie Einzel­stücke, die durch Schen­kungen oder An­käufe in den Bestand der Biblio­thek auf­ge­nommen wurden.

14 Hand­schriften und etwa 100 Frag­mente aus den Archives cantonales vau­doises in Chavannes-près-Renens, darunter das prächtig illumi­nierte Stunden­buch des Jean de Gingins (e-codices) aus dem 15. Jahr­hundert, das aus dem Château de La Sarraz stammt.

Anderer­seits sollen im ge­planten Katalog erstmals syste­matisch auch Hand­schriften und Frag­mente von kleine­ren und Kleinst­institutio­nen erfasst werden, die sonst kaum je bekannt würden, zum Beispiel das aus der Kollegiats­kirche St. Vinzenz der Stadt Bern stam­mende Anti­phonar von 1489/1490 (e-codices), von dem sich zwei Bände heute im Musée histo­rique de Vevey befinden (weitere vier Bände be­finden sich in Estavayer-le-Lac, Paroisse catho­lique Saint-Laurent).

Nebst den wissen­schaftlichen, nach den aktuel­len Stan­dards der Hand­schriften­katalogi­sierung ver­fassten Be­schrei­bungen der Hand­schriften sowie einigen aus­gewählten Frag­menten, wird ein summa­risches Ver­zeichnis der nicht einzeln beschrie­benen Frag­mente gegeben. Abge­rundet wird der Katalog mit einer Ein­leitung, welche die Ge­schichte der Bestände und Samm­lungen darstellt. Es ist dies, nach dem Katalog des Kantons Jura, erst das zweite Mal, dass im Rahmen der Kuratoriums­kataloge die Gesamt­über­lieferung einer ganzen Region präsen­tiert wird.

Die Ver­öffent­lichung des Kata­logs, der auch open access zu­gäng­lich sein wird, ist für die erste Hälfte 2029 geplant. Soweit möglich, werden Be­schrei­bungen und Digita­lisate auch auf der Platt­form e-codices oder in anderen rele­vanten Datenbanken, z.B. für die BCUL in verein­fachter Form in der Daten­bank Patrinum, ver­öffentlicht.