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Nationale Forschungsschwerpunkte: Stellungnahme der SAGW

Mit Nationalen Forschungsschwerpunkten – sogenannten National Centres of Competence in Research (NCCR) – fördert der Bund Forschungsprojekte von strategischer Bedeutung. Sie werden in einem mehrstufigen Evaluationsverfahren ausgewählt und mit namhaften Fördergeldern ausgestattet.

Einseitige Gewichtung

Ende Januar 2026 gab das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) bekannt, welche sechs Projekte in der Periode 2026 bis 2029 mit rund 100 Millionen Fran­ken gefördert werden. Aus den Geistes- und Sozialwissenschaften ist keines dabei. An lediglich einem Projekt (NCCR CLIM+) sind neben naturwissenschaftlichen Fächern auch sozialwissen­schaftliche im Lead sowie an der Umsetzung beteiligt – im Hinblick auf gesellschaftliches «Trans­formationswissen» betreffend Klima-Extreme.

Die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) bedauert die ein­seitige Gewichtung ausdrücklich. In einer Welt der gesellschaftlichen und politischen Um­brüche ist es schwer nachvollziehbar, dass ausgerech­net jene Disziplinen, die zu Themenfeldern wie Geo­politik, Bevölkerungsentwick­lung, Bildung, Rechtsordnung, politische Teilhabe, Desinforma­tion, Ge­walt oder Ge­schlechterrollen Wissen bereitstellen, von den NCCR weitgehend ausge­schlossen blei­ben. Es entsteht der Verdacht, dass es eine inhärente Voreingenommenheit gab zugunsten der «harten» Wissenschaften.

Neuausschreibung

Das WBF hat angekündigt, nachträglich eine erneute Ausschreibung zu lancieren, diesmal exklu­siv für ein Projekt aus den Geistes- oder Sozialwissenschaften. Die SAGW anerkennt den Willen der Behörden, damit eine Schlagseite zu korrigieren. 

Aufseiten der geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen muss für eine solche Zusatzaus­schreibung allerdings ein Sondereinsatz geleistet werden, nachdem bereits immense Ressourcen in das reguläre Verfahren investiert wurden. Die Gewichtung der Auswahlkriterien bei der Evalu­ation der Projekte gemäss Art. 8 Verordnung des WBF zur Forschungs- und Innovationsförderung bleibt zudem intransparent. 

Für eine breit abgestützte Wissensgesellschaft

Die Schweiz ist eine Wissensgesellschaft. Ihre demokratischen Institutionen und Verfahren sind auf die Verfügbarkeit von breit abgestützten Fakten, Einordnungen und Erkenntnissen angewie­sen. Sie dienen als Grundlage für die politische Debatte und Konsensfindung. Um solches Wissen aus allen Wissenschaftsbereichen zur Verfügung zu stellen, ist eine ausge­wogene Förderpraxis nötig. Die Herausforderungen unserer Zeit haben auch eine geistes- und sozialwissenschaftliche Dimension.

Die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften und die durch sie vertrete­nen Fachgemeinschaften werden die nun angekündigte Ausschreibung für einen Natio­nalen For­schungsschwerpunkt aus den Geistes- und Sozialwissenschaften aufmerksam verfolgen.