Zivilschutzinstruktor
Steckbrief
- Name: Thomas Gartmann
- Alter: 38
- Studium: Geschichte (Major, Schwerpunkte AG und NNG) und Soziologie (Minor), Universität Bern, Erasmussemester an der Vrije Universiteit Amsterdam, 2008–2014.
- Doktorat: Stürme – Seuchen – Spekulanten. Antike Beurteilungen der Ursachen von Versorgungsproblemen in Rom. Universität Bern und Vrije Universiteit Brussel, 2016–2022.
- Weiterbildung: Zivilschutzinstruktor mit eidgenössischem Fachausweis (2024–2027), inkl. SVEB 1 (Erwachsenenbildung).
- Aktuelle Arbeitsstelle: Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS), Instruktor im Geschäftsbereich Zivilschutz und Ausbildung, Gruppe Führungsorgane und Übungen-
- Mail-Adresse für Kontaktaufnahme: thomas.gartmann@babs.admin.ch
Weshalb haben Sie sich für ein Studium in der Altertumswissenschaft entschieden? Erfolgte die Wahl mit Blick auf einen bestimmten Beruf?
Die Römer haben mich schon seit meiner Kindheit fasziniert. Im Langzeitgymnasium hatte ich zudem einen ausgezeichneten Lateinlehrer, von dem ich sehr viel lernen konnte und der diese Faszination weiter förderte. Da ich aber für den Grossteil meines Gymnasiums einen demotivierten und demotivierenden Geschichtslehrer hatte, wählte ich Geografie statt Geschichte als Ergänzungsfach. Die Entscheidung für Geschichte statt Geografie als Studienfach war am Schluss knapp. Der Rat meines Lateinlehrers war damals: «Was auch immer du machst, mach es gut!»
Ein klares Berufsziel hatte ich nicht. Ich war überzeugt, dass ein Studium Spass machen muss, wenn man es erfolgreich abschliessen will. Der Rest würde sich ergeben. Dass ich «eine brotlose Kunst» studierte, nahm ich bewusst in Kauf.
Wie sah Ihr beruflicher Werdegang nach dem Doktorat aus und in welcher Funktion arbeiten Sie heute?
Wie bei vielen Historikern war mein Berufseinstieg nicht einfach und kostete mich über ein Jahr lang jede Menge Nerven. Anhand von Praktika und vielen Gesprächen fand ich heraus, dass trotz attraktiven Aspekten für mich Archive, Museen, Schulen und Unis nicht die richtigen Perspektiven boten. Die Verwaltung blieb als vielversprechendes Betätigungsfeld übrig. Ebenfalls dank eines Praktikums war ich bereits 2011 auf den Sicherheitsbereich als attraktives Betätigungsfeld gestossen. Ich suchte deshalb nach einem Hochschulpraktikum beim Bund im Sicherheitsbereich. Fündig wurde ich beim BABS in Schwarzenburg. Dieses verhalf mir nach einigem hin und her zu einer Festanstellung als Instruktor für die Ausbildung von Leuten in Krisenstäben von Kantonen, Bundesämtern und kritischen Infrastrukturen.
Wie können Sie die an der Universität erworbenen Fähigkeiten im Berufsalltag anwenden?
An der Uni habe ich insbesondere drei Fähigkeiten entwickelt:
Erstens habe ich gelernt, strukturiert zu arbeiten – sowohl selbständig als auch im Team. Dies ist der Kerninhalt dessen, was ich nun als Rezept für die erfolgreiche Stabsarbeit vermittle.
Zweitens habe ich gelernt, Muster zu sehen, zu verstehen und prägnant zu erklären (Analysefähigkeit). Das hilft mir bei der Weiterentwicklung von Schulungsinhalten und in der Projektarbeit.
Drittens habe ich gelernt zu schreiben. Es war für mich erstaunlich, wie sehr das in der Arbeitswelt keine Selbstverständlichkeit ist.
Ebenfalls hilfreich waren die vielen Vorträge, die ich an der Uni gehört und gehalten habe. Für den Erfolg als Instruktor war der beim BABS absolvierte Kurs in Erwachsenenbildung aber eine entscheidende Ergänzung.
Was empfehlen Sie Doktorierenden der Altertumswissenschaft im Hinblick auf die Stellensuche?
Zwischen euch, liebe Doktorierende, und einer guten Anstellung stehen vor allem zwei Hürden:
Einerseits haben die meisten Arbeitgeber (und RAV-Angestellten) keine Vorstellung davon, was für Fähigkeiten man sich während eines Studiums in den Altertumswissenschaften aneignet. Ihr müsst es also irgendwie schaffen, ihnen zu vermitteln, was ihr könnt.
Andererseits fehlt allen Uniabgängern zu Beginn die Berufserfahrung. Da jede Form von (unfairerweise nur ausseruniversitärer) Arbeitserfahrung zählt, dürft ihr nicht wählerisch sein, wo ihr euch diese holt.
Sobald ihr irgendwo den Schuh in der Tür habt, sei ihr im Vorteil, denn ihr müsst dann nur noch zuverlässig gute Arbeit leisten – und wer einige Semester alte Sprachen gelernt oder eine Diss verteidigt hat, kann das in der Regel.
Etwas Glück braucht es immer – aber ein klares Ziel, ein gutes Netzwerk und Beharrlichkeit helfen dem Glück auf die Sprünge.
Was schätzen Sie an der SVAW?
Der Newsletter der SVAW enthält immer wieder Hinweise auf interessante Veranstaltungen in der ganzen Schweiz.
Für mich sind aber die Jahresversammlungen der Kern der SVAW. Diese bieten die Chance, neue Felder der Altertumswissenschaften und insbesondere ganz unterschiedliche Expertinnen und Experten kennen zu lernen. Das Spektrum reicht dabei von griechischer Epigrafik über die römische Satire bis zur spätantiken Wirtschaftsgeschichte, und von der Doktorandin aus Genf bis zum Emeritus aus Zürich. Seit ich mich nur noch selten in akademischen Kreisen bewege, sind die Versammlungen aber zudem auch eine Gelegenheit geworden, die Welt wieder einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten und alte Bekannte zu treffen – von Homer bis zu meinem Doktorvater.