'These stories have to be told’. Chicano rap as historical source
Dianne Violeta Mausfeld, Universität Bern
Zusammenfassung:
In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren entstand in Los Angeles der Chicano-Rap, ein Subgenre des Gangster-Rap, das auf einzigartige Weise transkulturelle Elemente aus Musik und Sprache einbezog. Zu den wesentlichen Merkmalen zählten Samples aus Oldies und Chicano-Rock, mehrsprachige Texte und das Bekenntnis zum Brown Pride. Die Texte behandelten Bandenkriminalität, Polizeibrutalität und den Alltag im Barrio (Ghetto) und brachten so die Entfremdung der Künstler vom weißen Amerika zum Ausdruck. Während sie sich stark sowohl mit LA als auch mit ihrem mexikanischen Erbe identifizierten, schufen Künstler wie (Kid) Frost einen völlig neuen Musikstil, der eine ganze Generation zweisprachiger Rapper inspirierte. Betrachtet man Chicano-Rap als historische Quelle, gewinnt man ein tieferes Verständnis für die Probleme, mit denen mexikanisch-amerikanische Jugendliche in den USA bis heute konfrontiert sind. Ausgehend von (Kid) Frosts Musik wird dieser Artikel kulturelle und soziale Themen sowie musikalische Merkmale nachzeichnen, die das Wiederaufleben des Chicano-Bewusstseins und der Chicano-Identität in den 1990er Jahren widerspiegeln.