Vortrag

Rebecca Boxler Ødegaard (Nationalbibliothek Oslo): Undset, Haslund, Askildsen und ihre Nachlässe: Kuriosa oder zentrale Quellen der Literaturgeschichte?

23. Oktober 2026 — 10.15 Uhr — Universität Zürich, Schönberggasse 9, Raum SOD-0-002 — Deutsch

Undset, Haslund, Askildsen und ihre Nachlässe: Kuriosa oder zentrale Quellen der Literaturgeschichte?

Gastvortrag von Rebecca Boxler Ødegaard (Nationalbibliothek Oslo) im Rahmen des MA-Moduls «Skandinavistik aktuell». Im Anschluss (ab 12:30 Uhr) interaktiver Workshop zur Arbeit mit Archivmaterialien.

Zum Vortrag

Im Anschluss an den Gastvortrag findet ab 12:30 Uhr ein interaktiver Workshop mit Rebecca Boxler Ødegaard zur Arbeit mit Archivmaterialien statt. Bei Interesse an einer Teilnahme an diesem Workshop bitten wir um Vorabanmeldung bei lena.rohrbach@uzh.ch.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts befinden sich in Bibliotheken, Museen und Archiven die Nachlässe berühmter Schriftsteller und, in geringerem Umfang, Schriftstellerinnen. Manuskripte und Korrespondenzen mit anderen Berühmtheiten galten lange Zeit ausschliesslich als Quellen für die Erforschung berühmter literarischer Werke und wurden später nicht selten zu ikonischen Erinnerungsstücken. Im Mittelpunkt standen dabei das öffentliche Ansehen und die kulturelle Bedeutung der Verfasser, während persönliche Lebensumstände meist in den Hintergrund traten. Zudem waren die Nachlässe männlicher Autoren deutlich stärker vertreten. Seit den 1970er Jahren haben die Nachlässe von Autorinnen verstärkte Aufmerksamkeit erfahren. Damit rückten auch Fragen des Alltags, der Lebensführung und der sozialen Beziehungen in den Fokus der Forschung. In Briefen, Tagebüchern und anderen persönlichen Dokumenten werden die vielfältigen Rollen sichtbar, die viele Schriftstellerinnen neben ihrer literarischen Tätigkeit übernahmen: als Ehefrauen, Mütter und Gestalterinnen sozialer Netzwerke.

Der Vortrag bietet Einblicke in den Arbeitsalltag einer Archivarin und ihre Beschäftigung mit den Nachlässen von Sigrid Undset (1882–1949), Ebba Haslund (1917–2009) und Kjell Askildsen (1929–2021). Was verbirgt sich hinter dem vermeintlichen Papierchaos eines Nachlasses? Was erzählen Briefe, Manuskripte und persönliche Dokumente über Zeit, Leben und Werk ihrer Verfasserinnen und Verfasser? Und warum lohnt es sich immer wieder, auf Spurensuche in den Archiven zu gehen?

Zur Person

Rebecca Boxler Ødegaard ist Archivarin und Forscherin III an der norwegischen Nationalbibliothek in Oslo, Abteilung für Handschriften und libri rari. Als Archivarin arbeitet sie hauptsächlich mit der Erschliessung, Verwaltung, wissenschaftlichen und anderweitigen Vermittlung von Vor- und Nachlässen norwegischer Autorinnen und Autoren nach 1900, u. a. Sigrid Undset, Halldis Moren Vesaas, Ebba Haslund, André Bjerke, Jon Fosse und zurzeit Kjell Askildsen (1929–2021). Seit 2020 ist sie Herausgeberin der Briefe von Sigrid Undset (1882–1949) für die kritische E-Book-Editionsreihe NB kilder. Die Editionen Sigrid Undset: Briefe an Nini Roll Anker 1911–1940 erschienen in den Jahren 2021 bis 2023, teilweise im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt Made Abroad: Producing Norwegian World Literature in a Time of Rupture, 1900–1950 (2023–2027). Sigrid Undset: Briefe an Nils Collett Vogt erscheint 2027.