Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Parlamentsdiensten der Bundesversammlung: Flurin Baumgartner

«In meiner alltäglichen Arbeit ist in erster Linie das geisteswissenschaftliche Handwerk gefragt: recherchieren, analysieren, synthetisieren, schreiben. Im Studium habe ich gelernt, mich innert nützlicher Frist in einem neuen Thema zurechtzufinden.»

Flurin Baumgartner hat Religionswissenschaft und Geschichte studiert. Nach seinem Abschluss folgte ein Hochschulpraktikum bei den Parlamentsdiensten der Bundesversammlung, wo er heute als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist.

Warum Religionswissenschaft?

Als ich mich auf meine Maturität vorbereitete, tobte in der Schweiz der Abstimmungskampf um die Minarettinitiative. Dass in der politischen Diskussion die kulturhistorischen Hintergründe nur wenig thematisiert wurden, hat mich dazu bewogen, mich selbständig ins Thema einzulesen. Diese Beschäftigung löste eine Faszination für das Thema Religion aus, welche mich gut zwei Jahre später zum Studium der Religionswissenschaft führte.

Ein weiteres Argument für das Studium der Religionswissenschaft war für mich stets dessen grosse inhaltliche und methodische Breite. In kaum einem anderen Fach finden sich historische, soziologische und kulturwissenschaftliche Ansätze derart nah beieinander, was zu ungemein spannenden Diskussionen führt.

Was waren deine Schwerpunkte im Studium?

Von Deutungsversuchen der Shoah über Theorien sozialer Integration bis zur Religionsgeschichte Irans – die grosse Breite des Fachs hat sich in meinem Studienweg niedergeschlagen. Aufgrund meines zweiten Hauptfachs Geschichte zog es mich auch in der Religionswissenschaft immer wieder zu historischen Fragestellungen und dabei konnte ich viel von der Interdisziplinarität des Fachs profitieren, um meinen inhaltlichen und methodischen Blick entscheidend zu erweitern.

Was machst du beruflich?

Ich arbeite als wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Sekretariat der Kommissionen für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) der Bundesversammlung. Als Teil des Kommissionssekretariats bin ich mitverantwortlich für die wissenschaftliche und organisatorische Vorbereitung der Kommissionssitzungen und begleite Gesetzgebungsprojekte auf ihrem Weg durch Kommissionen und Räte. Hierfür stelle ich Dokumentationen zu den anstehenden Geschäften zusammen und verfasse Berichte sowie Medienmitteilungen zu den Beschlüssen der Kommissionen.

Was brachte dir das Studium für deinen Beruf?

In meiner alltäglichen Arbeit ist in erster Linie das geisteswissenschaftliche Handwerk gefragt: recherchieren, analysieren, synthetisieren, schreiben. Im Studium habe ich gelernt, mich innert nützlicher Frist in einem neuen Thema zurechtzufinden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um die Assyrische Kirche des Ostens oder um den Jugendschutz in den Bereichen Film und Videospiele handelt. Ausserdem habe ich mir während des Studiums die Fähigkeit angeeignet, die Argumente und Positionen in komplexen Diskussionen rasch zu erfassen, zu verstehen und verständlich wiederzugeben.

Nicht zuletzt ist für meine Tätigkeit absolut entscheidend, dass diese Wiedergabe neutral erfolgt. Das religionswissenschaftliche Studium legt auf diesen Punkt besonders viel Wert, da das Studium einen immer wieder mit Weltanschauungen konfrontiert, welche der eigenen möglicherweise konträr gegenüberstehen. Die Fähigkeit, anderen Positionen vorurteilsfrei zu begegnen und diese aus sich selbst heraus zu verstehen, ist ein Verdienst eines religionswissenschaftlichen Studiums und auch in der Arbeitswelt von entscheidender Bedeutung.

Flurin Baumgartner (September 2022)