Thomas Fries, Zürich
Abstract
In der Lyrik des 20. Jahrhunderts gewinnt der weiße Raum gegenüber den schwarzen Lettern eine zunehmende Bedeutung, möglicherweise als Kompensation für den tendenziellen Rückgang von Reim und Metrum als Gestaltungsmittel der Dichtung. Damit verbunden ist eine Annäherung von Poesie und Typographie. In einem ersten Teil wird der Vortrag, mit Bezugnahme auf das Werk von Adrian Frutiger, die Bedeutung der weißen Räume als Leuchtkraft und als Matrix (mit dem Kippen von Schwarz und Weiß in der Wahrnehmung) erläutern und illustrieren. Der zweite Teil wird an einer Reihe von Gedichten (Christian Morgenstern, William Carlos Williams, E.E. Cummings, Ernst Jandl, Paul Celan, Philippe Jaccottet u.a.) zeigen, in welchen verschiedenen Formen der weiße Raum im Gedicht des 20. Jahrhunderts erscheint und wie er die Wahrnehmung verändert, kippen lässt.
Bio-Bibliographie
Titularprofessor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Neuere Deutsche Literatur in Zürich. Forschungsschwerpunkte: Literaturtheorie, Intertextualität, Geschichte der Modernität, Literatur und NS-Zeit. Neuere Publikationen: « Der Zwischenraum », in: Ch. Abbt/T. Kammasch (hg.), Punkt, Punkt, Komma, Strich? Geste, Gestalt und Bedeutung philosophischer Zeichensetzung, Bielefeld 2009; « Wissenschaftliches Denken als Dialog: d’Alembert, Diderot und Galiani », in: M. Gamper et al. (hg.), « Es ist nun einmal zum Versuch gekommen ». Experiment und Literatur I, 1580-1790, Göttingen 2009; « Aufgabe mit zwei Uhren (Kafka) », in: C. Battegay/F. Christen/W. Groddeck (hg.), Schrift und Zeit in Kafkas Oktavheften, Göttingen 2010.


