Von der Deklaration zur Umsetzung – Schutz und Förderung der kulturellen Vielfalt in der Schweiz

Dienstag 25. Januar 2011 , 9.00-18.00h — Zürich, Universität Zürich, Raum: KOL-G-217

Von der Deklaration zur Umsetzung – Schutz und Förderung der kulturellen Vielfalt in der Schweiz

SAGW

Die kulturelle Vielfalt war in den letzten Jahren Gegenstand einer Reihe von internationalen Überein-kommen: So hat sie über die durch Frankreich eingebrachte „exception culturelle“ Eingang in die Schlussdokumente der Rio-Nachfolgekonferenz in Johannesburg (2002) gefunden. Mit dem „UNESCO-Übereinkommen über den Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen“ vom 20. Oktober 2005 wurde die Bedeutung der kulturellen Vielfalt auf völkerrechtlicher Ebene erstmals verbindlich anerkannt. Die Schweiz hat die Konvention am 16. Juli 2008 ratifiziert.

Als klein gekammertes, mehrsprachiges Land mit ausgeprägten regionalen Identitäten versteht sich die Schweiz als ein kulturell vielfältiges Land. Entsprechend kennt der Schutz der Minoritäten, aber auch des regionalen Brauchtums und Kunstschaffens sowie der lokalen Produktion eine lange Tradi-tion. Die Schweiz ist indes auch ein Einwanderungsland und zählt weltweit zu den wirtschaftlich globalisiertesten Nationen. Die Migrations- und Integrationspolitik ist denn auch für viele, die sich mit der kulturellen Vielfalt der Schweiz befassen, der Dreh- und Angelpunkt der Diskussion: In der Schweiz vermischen sich regionale Kulturen mit den verschiedensten globalen Einwanderungskulturen. Dies ist eine grosse Herausforderung für die Involvierten, stellt aber auch eine Chance und ein grosses wirtschaftliches Potential dar.

Die Tagung befasst sich in einem ersten einführenden Teil mit dem Übereinkommen, dessen Umsetzung sowie dessen Implikationen. Ebenso sollen mit dem Konzept der kulturellen Vielfalt einhergehende Spannungsfelder anhand von praktischen Beispielen aufgezeigt werden. In einem zweiten Teil sollen die Bedeutung der kulturellen Vielfalt sowie die sich daraus ergebenden Spannungen anhand von drei ausgewählten Themenbereichen vertieft diskutiert werden. Die drei Themenfelder werden im Plenum eingeführt und in drei parallel geführten Workshops weiter bearbeitet. Zur Diskussion gestellt werden erstens die kultur- und identitätsstiftende Funktion von Bildung in einer multikulturellen Gesellschaft, zweitens der Einfluss der kulturellen Vielfalt auf Markt und Innovation und drittens wird nach der kultur- und identitätsstiftenden Funktion der Massenmedien gefragt.

Ziel der Tagung ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Konzept der kulturellen Vielfalt; dessen Bedeutung, Funktion, Grenzen und Möglichkeiten, aber auch die damit verbundenen Chancen und Risiken sollen aufgezeigt werden. Aus einer geistes- und sozialwissenschaftlichen Perspektive fragen wir nach den Grundlagen der Konvention und nach den Implikationen, welche die Konvention für die Schweiz hat. Anhand ausgewählter Themenfelder versuchen wir, wichtige Spannungsfelder, aber auch „best practices“ bei der Umsetzung aufzuzeigen. Dabei soll der Austausch zwischen den mit der Übereinkunft befassten Kreisen, Akteuren der Wirtschaft, der Medien, der Bildungspolitik, sowie Forschenden und Politikerinnen und Politikern aufzeigen, wo Klärungs-, Handlungs-, Entwicklungs- und Forschungsbedarf besteht. In den am Nachmittag stattfindenden Workshops zu den Handlungsfeldern „Bildung“, „Markt und Innovation“ sowie „Massenmedien“ wird den Teilnehmenden die Möglichkeit geboten, sich aktiv an der Vertiefung der Diskussion zu beteiligen.
 

Kontakt

Dr. phil. Manuela Cimeli

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Sektion 3

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++41 (0)31 306 92 50/53

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