Die «Goldene Brille», der Medienpreis der Schweizerischen Akademie der Geistesund Sozialwissenschaften (SAGW), geht dieses Jahr an die Filmwissenschaftlerin Dr. Yvonne Zimmermann und den Fernsehjournalisten Georg Häsler. Ausgezeichnet werden sie für die vierteilige Reihe «Zeitreise ins Landesinnere», die in der Sendung «Schweiz aktuell» des Schweizer Fernsehens ausgestrahlt wurde. Der Preis ist mit 10'000 Franken dotiert.
Die Jury zeichnet diese Reihe aus drei Gründen aus: erstens weil eine Wissenschaftlerin und ein Journalist auf vorbildliche Weise zusammen gearbeitet haben; zweitens weil historische Dokumente, wissenschaftliche Analysen und Gegenwartsprobleme spannungsvoll aufeinander bezogen werden, und drittens weil die Reihe beweist, dass wissenschaftliche Erkenntnisse auch in einem aktuellen Magazin zum Tragen kommen und das Interesse des Publikums wecken können.
Zusammenarbeit zwischen Filmwissenschaftlerin und Journalist gewürdigt
Die mit der «Goldenen Brille» prämierte Reihe stellt auf hervorragende Weise die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen einer Filmwissenschaftlerin und einem Fernsehjournalisten unter Beweis. Den aktuellen Anlass boten die Kurzfilmtage Winterthur 05, an denen Yvonne Zimmermann historische Industriefilme präsentierte.
Georg Häsler entwickelte dazu für die Sendung «Schweiz aktuell» das Konzept für eine vierteilige Serie «Zeitreise ins Landesinnere». Zusammen mit Yvonne Zimmermann wählte er geeignete Beispiele von Industriefilmen aus den 1930er bis 1960er Jahren aus: über die Giesserei Sulzer, über Wartungsarbeiten an alpinen Hochspannungsleitungen, über den ersten Trolleybus in Zürich und über die Schaumweinproduktion bei Mauler. Ausschnitte daraus konfrontierte Georg Häsler mit Reportagen aus der Gegenwart und mit wissenschaftlichen Erläuterungen von Yvonne Zimmermann, die so das oft abgewertete Genre des Industriefilms würdigen konnte. Die Spurensuche in der Gegenwart, von Georg Häsler als Videojournalist im Alleingang gedreht, zeugt vom tiefen Strukturwandel der letzten Jahrzehnte, aber auch von der Beständigkeit der schweizerischen Eigenart.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse basieren auf dem Nationalfonds-Forschungsprojekt «Ansichten und Einstellungen: zur Geschichte des dokumentarischen Films in der Schweiz 1896-1964» des Seminars für Filmwissenschaft der Universität Zürich.
Ausgestrahlt wurde die vierteilige Reihe im November und Dezember 2005 in der Sendung «Schweiz aktuell» des Schweizer Fernsehens.
Die Goldene Brille
Geschaffen wurde die «Goldene Brille» im Jahr 2000 mit dem Ziel, publizistische Beiträge auszuzeichnen, die wissenschaftliche Forschungen der Geistes- und Sozialwissenschaften einem Laienpublikum zugänglich machen. Der Preis würdigt die Arbeit von Medienschaffenden und von Forschenden, die ihre Arbeit zu einem geistes- oder sozialwissenschaftlichen Thema einer nicht-wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich machen.
Die achtköpfige Jury besteht aus Journalistinnen und Journalisten sowie aus Wissenschaftlern der deutschen und französischen Schweiz. Präsident ist Erwin Koller.
Die Übergabe des Preises erfolgt am 10. November 2006 um 13.20 Uhr im Kursaal in Bern, anlässlich der Herbsttagung der SAGW zum Thema «Wohnen in der Metropole Schweiz. Lässt sich Urbanisierung planen?».
Für Interviewtermine mit der Preisträgerin und dem Preisträger oder Auskünfte zum Medienpreis wenden Sie sich bitte an Martine Stoffel, Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften, Hirschengraben 11, 3001 Bern; Tel: +41 (0)31 313 14 55, E-mail: martine.stoffel@sagw.ch
Angaben zur Person
Dr. Yvonne Zimmermann studierte Germanistik, Filmwissenschaft und Anglistik an der Universität Zürich und promovierte 2005 mit einer Dissertation über «Bergführer Lorenz: Karriere eines missglückten Films» (Marburg: Schüren 2005). 2003-06 arbeitete sie im SNFForschungsprojekt «Ansichten und Einstellungen: zur Geschichte des dokumentarischen Films in der Schweiz 1896-1964» des Seminars für Filmwissenschaft der Universität Zürich über Auftrags- und Industriefilme. Seit 2006 ist sie Oberassistentin am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich.
Georg Häsler studierte Klassische Philologie und Neueste Geschichte an den Universitäten Bern und Basel. Er interessiert sich vor allem für transkulturelle und politische Themen und ist seit 2000 freier Filmemacher und Journalist am Schweizer Fernsehen («Schweiz aktuell», «Reporter»). Im Januar 2007 beginnt er in Bern mit dem Aufbau einer eigenen Ideenfabrik für Dokumentarfilme.

