Newsletter Dezember 2017 – Wissenschaftspolitik

Wissenschaftspolitik - Politique scientifique

Die Uni Basel muss sparen
Gelesen in der NZZ, 13.12.2017 - Wie viel Germanistik braucht die Gesellschaft? Und wie viel Altertumswissenschaft? An der Universität Basel stellt sich die Frage ganz konkret. Die Hochschule muss sparen, und zwar viel. Die Geisteswissenschaften kommen unter Druck. Jemand muss geplaudert haben. Ein Mitglied der philosophisch-historischen Fakultät der Universität Basel hat den geheimen Mehrheitsbeschluss nach aussen getragen, dass der zurzeit vakante Lehrstuhl für Germanistische Mediävistik – einer der ältesten und renommiertesten überhaupt – auf eine befristete Assistenzprofessur zurückgestuft wird, was einer Abschaffung in Raten gleichkommt.
Sekundiert von Basel-Stadt hat der Trägerkanton Basel-Landschaft beschlossen, dass die Universität Basel, die älteste der Schweiz und eine der Geburtsstätten des europäischen Humanismus, in den nächsten vier Jahren insgesamt knapp 50 Millionen Franken einsparen muss. Und dazu kommen noch die Folgewirkungen: Der Sparbeschluss dürfte Konsequenzen für andere Finanzquellen haben, etwa die Bundesmittel. Auch sie werden künftig spärlicher fliessen. Der Entscheid ist für eine schweizerische Hochschule präzedenzlos. Die Studierendenzahlen wachsen, die Bedeutung von Forschung und Lehre für die «Wissensgesellschaft» nimmt weiter zu – und die Schweiz weist im internationalen Vergleich noch immer eine tiefe Akademikerquote aus.
https://www.nzz.ch/feuilleton/die-uni-basel-muss-sparen-ld.1338214


Genf und Zürich gehen die Digitalisierung gemeinsam an
Gelesn in der NZZ, 15.12.2017 - Die Universitäten Genf und Zürich spannen in einer strategischen Partnerschaft zusammen. Das Hauptanliegen ist die Suche nach Lösungsansätzen für die Herausforderungen des digitalen Wandels. Für Michael Hengartner, den Rektor der Universität Zürich, ist die neue Allianz mit der Universität Genf von sehr grosser Bedeutung. Bereits heute seien die Beziehungen der beiden Hochschulen eng, ergänzt sein Genfer Kollege Yves Flückiger. Rund 750 Publikationen aus den letzten drei Jahren mit Genfer und Zürcher Co-Autorschaft zeugen davon, zwei Drittel davon aus der Medizin. Jetzt sind die beiden eine strategische Partnerschaft eingegangen. Das ist vorerst ein Papier über einen intensiveren Austausch von Studierenden und jungen Forschern, die gemeinsame Betreuung von Doktoranden, den Transfer wissenschaftlicher und anderer Daten, die Entwicklung gemeinsamer Forschungsprojekte im Rahmen nationaler und europäischer Forschungsprogramme.
https://www.nzz.ch/zuerich/genf-und-zuerich-gehen-die-digitalisierung-gemeinsam-an-ld.1339489


Alle Publikationen aus SNF-finanzierten Projekten sollen ab 2020 kostenlos und digital verfügbar sein

Bern, 13.12.2017 - "Mit öffentlichen Geldern finanzierte Forschungsresultate sind ein öffentliches Gut", sagt Matthias Egger, der Präsident des Nationalen Forschungsrats. Der freie Zugang oder Open Access (OA) wird in der Wissenschaft zum Standard. Bisher erfüllen weniger als 50% der aus SNF-Förderung hervorgehenden Publikationen diese Bedingung. Ab 2020 sollen nun 100% der Publikationen kostenlos und digital verfügbar sein. Der SNF hat schon bisher die Kosten für die Veröffentlichung in OA-Zeitschriften übernommen. Ab April 2018 bezahlt er auch die Kosten für OA-Bücher und ab Oktober 2018 für OA-Buchkapitel. Zudem vereinfacht er die Abwicklung dieser Publikationsbeiträge. Damit macht er es den Forscherinnen und Forschern leicht, die Bedingung zu erfüllen.
Die neue Open-Access-Politik des SNF fügt sich ein in die nationale Strategie der Hochschulen der Schweiz. Sie haben im Januar 2017 beschlossen, dass alle mit öffentlichen Geldern finanzierten Publikationen ab 2024 frei zugänglich sein sollen.
http://www.snf.ch/de/fokusForschung/newsroom/Seiten/news-171213-snf-forschung-wird-100-prozent-open-access.aspx


Parlament will ab 2021 wieder voll bei Erasmus mitmachen

Gelesen in der Berner-Zeitung, 27.11.2017 - Schweizer Studierende sollen ab 2021 wieder voll profitieren von EU-Mobilitätsprogrammen, verlangt das Bundesparlament. Das dürfte deutlich teurer werden als die bis 2020 verlängerte Übergangslösung. Beim europäischen Austauschprogramm von Studierenden fährt die Schweiz weiter ein Sonderzüglein. Nach dem Ständerat hat gestern auch der Nationalrat bei Erasmus+ einer Verlängerung der Übergangslösung zugestimmt (siehe Box). Man kann mit der Strafmassnahme der EU aufgrund der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative leben in Bern. Zumal die Übergangslösung günstiger ist als das Vollprogramm: Der Bundesrat schreibt in der Botschaft, der administrative Aufwand seitens des Bundes sei geringer, und das Geld werde gezielter eingesetzt.
https://www.bernerzeitung.ch/schweiz/standard/Parlament-will-ab-2021-wieder-voll-beiErasmus-mitmachen/story/20232272


Management und Forschungsabteilung sprechen unterschiedliche Sprachen
Gelesen im Horizonte - Das Schweizer Forschungsmagazin, 13.12.2017 - Daniel Perrin, der neue Präsident der International Association of Applied Linguistics, wünscht sich eine praxisorientiertere Forschung: „Unsere Welt ist mehrsprachig und multikulturell. Massenmigration und Globalisierung stellen grosse Herausforderungen an die Integration, bieten aber auch grosse Chancen, die Diversität zu fördern. Stellen werden immer öfter international besetzt. Einfach internationales Englisch zu verwenden, reicht aber nicht. Wer effizient kommunizieren will, muss mehr als die Wörter an sich verstehen, nämlich was die Leute damit meinen. Das ist interkulturelle Kommunikatio“, sagt der Schweizer Sprachwissenschaftler.
https://www.horizonte-magazin.ch/2017/12/13/management-und-forschungsabteilung-sprechen-unterschiedliche-sprachen/


Wie die ETH und die Universitäten Talent verschwenden
Gelesen in der NZZ am Sonntag, 02.12.2017 - Der Fall hat hohe Wellen geworfen. Weil eine Professorin an der ETH Zürich während Jahren ihre Doktoranden schikanierte, sah sich die Schulleitung gezwungen, das Institut für Astronomie im August aufzulösen und die Doktoranden anderen Professoren zuzuteilen. Selbst im renommierten Fachblatt «Science» entbrannte darauf eine Diskussion darüber, wo die gesunde Leistungskultur an einer Universität aufhört und unmenschlicher Karrieredruck anfängt. So spektakulär dieser Fall an der ETH ist, letztlich handelt es sich dabei um einen Auswuchs dessen, was hinter der glänzenden Fassade des Schweizer Hochschulsystems seit längerem weit verbreitet ist: Gestresste Doktoranden, Heerscharen von hochqualifizierten Forschern, die niemand braucht, selbstherrliche Professoren und eine Glorifizierung des Kompetitionsgedankens.
https://naturwissenschaften.ch/service/news/96726-nzz-am-sonntag-so-verschwenden-die-unis-talente

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