Fritz Stolz-Preis 2025

Die Preisträger·innen des diesjährigen Fritz Stolz-Preises für herausragende Masterarbeiten im Bereich Religionswissenschaft sind Selina Bloch und Gary Picard.

14. Juni 2026

Selina Bloch untersucht in ihrer Masterarbeit Navigating Aid – An Ethnography of Religious NGOs in Tajikistan (Universität Zürich), basierend auf einer dreimonatigen ethnografischen Feldforschung in Tadschikistan, wie zwei internationale, christlich affiliierte NGOs die Herausforderungen des lokalen Alltagskontextes navigieren, um dort Entwicklungsarbeit zu leisten.Für diese NGOs stellt der säkularisierende Kontext Tadschikistans, der in der Erbschaft der Sowjetzeit und des 'War on Terror' ein kontinuierlich ausgebautes regulatorisches Rahmenwerk für Religion hervorgebracht hat, eine Reihe von Herausforderungen dar. Die beiden Organisationen und ihre Mitarbeitenden begegnen diesen Herausforderungen auf unterschiedliche Weise, gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie grossen Wert darauf legen, dem Vorwurf des Proselytismus zu entgehen. Unter anderem tun sie dies, indem sie ihre Arbeit im Sinne von Bruno Latours Konzept der 'Übersetzung' als Entwicklungs- bzw. humanitäre Arbeit im 'nicht-religiösen Feld' positionieren.Laut der Jury leistet Selina Bloch mit ihrer Masterarbeit nicht nur einen wertvollen Beitrag zur Religionswissenschaft, sondern eröffnet auch neue Perspektiven für die Ethnologie, die Entwicklungsforschung und die politischen Wissenschaften. Besonders hervorgehoben werden ihr innovativer Umgang mit theoretischen Konzepten sowie die aussergewöhnliche theoretische Reife, methodische Reflexivität und stilistische Klarheit, die die Arbeit auf das Niveau einer Dissertation heben.

Selina Bloch studierte Religionswissenschaft und Ethnologie an den Universitäten Zürich und Utrecht (Niederlande). Seit August 2024 ist sie Assistentin am Lehrstuhl für Ethnologie der Universität Basel.


Gary Picard verbindet in seiner Masterarbeit Une traité sur la sorcellerie à Genève. Le Dialogue des Sorciers ou Eriges (1579) du théologien calviniste Lambert Daneau (v. 1530-1595) (Universität Lausanne) die Analyse der Themen des Dialogue des Sorciers oder Eriges von Lambert Daneau mit der Erläuterung der sozialen und politischen Herausforderungen, die mit den Genfer Ausgaben dieser Abhandlung über Hexerei verbunden sind. Daneau, ein französischer Pastor, der 1572 infolge der Bartholomäusnacht nach Genf ins Exil ging, war neben Théodore de Bèze ein glühender Verfechter der Theologie Calvins. Im Jahr 1574 veröffentlichte er in Genf Les Sorciers, in dem er unter Berufung auf literarische, medizinische, juristische und theologische Quellen darlegt, dass Hexen Giftmörder sind, die zum Tode verurteilt werden müssen. Diese Studie versucht, die Argumentation dieses Werks zu verstehen, indem sie dessen Erstveröffentlichung und Neuauflage von 1579 in den politischen, sozialen und religiösen Kontext der 1570er Jahre einordnet, der geprägt war von einer Pestepidemie, Machtkämpfen zwischen dem Kleinen Rat und dem Konsistorium sowie einer Zunahme von Veröffentlichungen demonologischer Abhandlungen und Hexenprozessen.

Gary Picard studierte Geschichte und Religionswissenschaft an der Philosophischen Fakultät der Universität Lausanne.