Kolloquien

Revolution islamischen Rechts. Das Schweizerische ZGB in der Türkei. Hans-Lukas Kieser, Astrid Meier, Walter Stoffel (Hg.). Zürich: Chronos , erscheint Okt. 2008

2008. 248 S. Br. ca. CHF 38.00 / ca. EUR 23.00
ISBN 978-3-0340-0893-8

1926 übernahm die neu gegründete Republik Türkei fast wörtlich das Schweizerische Zivilgesetzbuch (ZGB) und das Obligationenrecht. «Rechtsrevolution» nannten dies die Reformer um Kemal Atatürk, was auch international als tiefer Einschnitt rezipiert wurde. Denn das Familienrecht hatte im späten Osmanischen Reich den noch am stärksten von der islamischen Scharia geprägten Teil des Rechts gebildet.

Die Erfahrungen der Türkei stellen ein bedeutsames «Langzeitexperiment» mit einem transkulturellen Rechtsregime dar: eine säkulare Organisation der Justiz und des Rechtswesens in einer Gesellschaft, die von islamischen Normen geprägt ist. Weist das Experiment darauf hin, dass sich theologisch verwurzeltes und kulturell tradiertes islamisches Rechtsempfinden mit moderner europäischer Gesetzgebung sehr wohl in Einklang bringen lässt? Ist die Scharia somit historische Hülse für Rechtsgüter, die sich in säkularen Gesetzen wie dem ZGB aufheben lassen? Könnte umgekehrt säkulares Rechtsgut in ein Scharia-basiertes Rechtssystem integriert werden? Trifft dies zu, ist transkulturelle, transreligiöse Verbindlichkeit erreichbar und die oft zitierte Kluft zwischen koranischer Offenbarung und Moderne überbrückbar.

 

Inhalt

* Gottfried Plagemann: Die Einführung des ZGB im Jahre 1926. Das neue ZGB als Bedingung eines säkularen und souveränen Nationalstaates
* Hans-Lukas Kieser: Der ehemalige Freiburger Doktorand Mahmut Bozkurt und sein Verständnis von Rechts- und Sozialrevolution
* Şükran Şıpka: Der Revolutionscharakter des Zivilgesetzes von 1926 aus frauenrechtlicher Perspektive
* Osman B. Gürzumar: Die Rezeption westlichen Rechts in der Türkei vor 1926
* Jan Goldberg: Zur Frage der Kontinuität der türkischen Rezeption schweizerischen Rechts. Eine Betrachtung anhand der neueren ägyptischen Rechtsgeschichte
* Bülent Uçar: Die Einführung des Schweizerischen ZGB als Mittel zur Reform der Gesellschaft
* Heinz Käufeler: Autoritäre Kontinuitäten. «Das Gute gebieten und das Übel abwehren» aus islamischer und kemalistischer Sicht
* Astrid Meier: Wie islamisch muss islamisches Recht sein? Der Reformprozess in der Türkei – von Indien und Ägypten aus gesehen
* Edouard Conte, Nahda Shehada: Equity vs. Predictability? The Role of the Qadi in the Palestinian Territories
* Günter Seufert: Grenzen der Wirksamkeit des Zivilrechts und die Diskussion um Rechtspluralität
* Başak Baysal Erman: Die Rezeption des westlichen Rechts im Allgemeinen und des ZGB im Besonderen im Modernisierungsprozess der Türkei nach 1926
* Hermann Schmid: Überblick über die Reformen des schweizerischen Familienrechts seit den 1980er Jahren
* Ali Çivi: Türkisches Familienrecht nach 80 Jahren ZGB – Bestandesaufnahme und Evaluierung des jüngsten Reformprozesses
* Anne-Banu Brand: Einige Aspekte der Scheidung in der Schweiz und in der Türkei
* Heinz Hausheer: Bemerkungen und Desiderata betreffend die Zusammenarbeit in der türkisch-schweizerischen «Rechtsgemeinschaft», insbesondere im Bereich des gemeinsamen Familienrechts

Turkey beyond nationalism. Towards post-national identities? Ed. Hans-Lukas Kieser, London: I. B. Tauris, 2006.

Turkist Nationalism was a defining characteristic of Turkey in the 20th century. How did this affect its people and politics? How will 21st-century Turks view themselves as their country moves beyond the nationalist ideology of Ataturk? And what does membership of the EU mean for modern Turkey? "Turkey Beyond Nationalism" explores the historical impact of nationalist thinking and examines the shifts which have created a political culture that harks beyond nationalism. Turkism was central to the foundation of the Republic in 1923. It evolved in many ways during the 20th century, but important assumptions about its nature have not been openly questioned. This book offers a clear analysis of modern Turkey's relationship with nationalism, tracing its development from its founding period before the Young Turk Revolution of 1908 to the present day. The development of a liberal, multicultural society is particularly topical in view of Turkey's membership of the EU, application to which has transformed the nationalist issue in Turkey in the last few years. By thoroughly investigating the nationalist fabric of modern Turkey in the first half of the 20th century, "Turkey Beyond Nationalism" casts a new light on the present challenges and demonstrates how Turkish history is also of importance to her European neighbours. This book is thus an important contribution to a vivid international debate.

Hans-Lukas Kieser is a Privatdozent of Modern History at the University of Zurich and president of the Research Foundation Switzerland-Turkey. The other contributors include leading international historians, sociologists and political scientists from Turkey, Germany, France and the USA.

Vererbte Macht. Monarchien und Dynastien in der arabischen Welt. Hartmut Fähndrich (Hg.), Campus, Frankfurt a.M., 2005.

In Monarchien vererbt sich die Macht vom Vater auf den Sohn. In der arabischen Welt – und anderswo – geschieht es jedoch immer öfter, dass auch in Republiken der Präsident seinen Sohn zum Nachfolger kürt und ihn wählen lässt oder einfach ernennt. So entstehen neue Dynastien – auch im Irak wäre auf Saddam Hussein wahrscheinlich einer seiner Söhne gefolgt. Die Autoren des Bandes zeigen an den Beispielen Ägypten, Marokko, Syrien, Jordanien, Libyen, Saudi-Arabien und Irak, was eine erbliche Alleinherrschaft für den jeweiligen Staat bedeutet, ob sie Stabilität oder Stagnation bringt, die Modernisierung und Öffnung fördert oder behindert, wie groß jeweils die Gefahr einer Diktatur ist und was diese neuen Dynastien für das Verhältnis zwischen dem Westen und der arabischen Welt bedeuten.

esense GmbH