Rapport annuel 2015

Rapport annuel 2015

WISSENSCHAFTLICHE TÄTIGKEIT

A) TAGUNGEN

Barbe et barbus. Symboliques, rites et pratiques du port de la barbe dans le Proche-Orient ancien et moderne. Wissenschaftliche Tagung. Universität Genf, 06./07.03.2015.
SGMOIK in Kooperation mit der Schweizerischen Gesellschaft für Orientalische Altertumswissenschaft (SGOA).
Das zweitägige Kolloquium brachte Spezialisten orientalischer Kulturen aus über sechs Jahrtausenden zusammen: der pharaonischen, der assyrischen, der babylonischen, der hethitischen, der jüdischen und der islamischen Kultur, was einen beachtlichen diachronen Schnitt für die gemeinsame Fragestellung nach der Symbolik, den Riten und Praxen des Barttragens erbrachte. Es entstand so im Verlaufe der Tagung aus den auf recht unterschiedliche Quellengattungen zurückgehenden Tagungsbeiträgen – vom Relief, über alle Arten kultischer und religiöser Texte, bis hin zu Bartgedichten und Novellen moderner syrischer Literatur – ein verblüffend kohärentes Bild der Kontinuität in der Symbolik der kontrollierten, domestizierten männlichen Gesichtsbehaarung, mit dem viele der Teilnehmer so nicht gerechnet hatten. Die Tagungsbeiträge werden 2016 von Dr. Youri Volokhine (Universität Genf) herausgegeben.


„Historical and Contemporary Processes of Islamisation and Re-islamisations in Africa“.
Wissenschaftliche Tagung, Universität Bern, 23.4-25.4.2015
SGMOIK in Kooperation mit der Schweizerischen Gesellschaft für Afrikastudien (SGAS).
Die von der SAGW, dem SNF, der Stiftung Mercator Schweiz, der Burgergemeinde Bern, der Erdölvereinigung Schweiz und den Mitgliedsgesellschaften finanzierte dreitägige internationale Konferenz, brachte insgesamt 29 Referenten aus Europa, Nordamerika und Afrika zusammen – elf davon waren afrikanische Teilnehmer, von denen sieben direkt von afrikanischen Universitäten kamen. Eines unserer Anliegen war es nämlich, nicht als EuropäerInnen und AmerikanerInnen über Afrika zu reden, sondern den wissenschaftlichen Austausch über den Islam in Afrika mit unseren afrikanischen KollegInnen zu suchen. Die in fünf sukzessive Plenarpanels („Islam und der Wandel materieller und immaterieller Kultur“, „Politik und Macht“, „Imagined Identities“, „Islam und Wirtschaft“ sowie „Bildung und Recht“) gegliederte Konferenz hat es durch den Fokus auf die beiden Prozesse der Islamisierung und Reislamisierung möglich gemacht, die Geschichte des Islams auf dem afrikanischen Kontinent in synchronen und diachronen Schnitten in ihrer Vielfalt zu untersuchen, Konstanten herauszuarbeiten und mit gegenwärtigen Entwicklungen zu verklammern.
Vor allem für die jüngeren afrikanischen WissenschaftlerInnen stellte diese auch als Nachwuchstagung konzipierte Veranstaltung besonders wertvolle Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme mit europäischen und amerikanischen ForschernInnnen dar. Neben einer interessierten Öffentlichkeit und Studierenden der Universität Bern sind auch Journalisten und Mitarbeiter von Migrationsämtern - auf kantonaler wie auf Bundesebene - zur Tagung gekommen. Eine Publikation einzelner wissenschaftlicher Beiträge ist für den Bereich der Archäologie in Form von Sammeleinreichungen bei Fachzeitschriften geplant, einige Beiträge sind in unserem Bulletin Herbst 2015 „Sahara und Westafrika“ publiziert worden.


Mythos Orient – Architektur und Ornament im Zeitalter des Orientalismus
Internationale Konferenz, Schloss Oberhofen bei Thun, 12. Juni 2015.
Förderung durch die SAGW auf der Grundlage eines ausserordentlichen Gesuchs der SGMOIK.
Aus Anlass des 160-jährigen Jubiläums des 1855 nach Plänen des Berner Architekten Theodor Zeerleder in Schloss Oberhofen erbauten orientalischen Rauchsalons (Selamlik), haben insgesamt dreizehn WissenschaftlerInnen aus Europa und Nordamerika in fünf Sektionen (Orientalische Visionen, Architektur Kairo, Architektur Ausstrahlung, Ornament, Selamlik) transkulturelle Prozesse im Bereich der Architektur und der Ornamentik diskutiert. Dabei wurden sowohl Transfer- und Aneignungsprozesse in der arabischen Welt selbst (z. B. die 1924–1927 erbaute Schalterhalle der Banque Misr in Kairo), als auch von der arabischen Welt nach Europa (z. B. die mediale Vermittlung und formale Adaption islamischer Vorbilder beim Bau der Tabak- und Cigarettenfabrik Yenidze in Dresden) untersucht.


Im Rahmen der Reihe „La Suisse existe, la Suisse n’existe pas“: „Welche Schweiz erleben Sie ? Perspektiven von MigrantInnen und Second@s“
Abendveranstaltung mit Podiums- und Publikumsdiskussion, Volkshaus Zürich, 21. Oktober 2015.
SGMOIK in Kooperation mit der SAG, SGR, SEG, SThG.
In der sehr gut besuchten Diskussionsveranstaltung stand das Zusammenleben im Migrationsland Schweiz aus dem Blickwinkel Zugewanderter und ihrer Nachkommen besonders im Vordergrund In einer Podiumsdiskussion, die junge Akademiker mit Migrationshintergrund in den Mittelpunkt stellte, wurde den Fragen nachgegangen, wie die Schweiz von Migranten und Second@s wahrgenommen und erlebt wird, wo die Mehrheitsgesellschaft aufhört und welche Möglichkeiten und Grenzen für Vielfalt innerhalb der Schweiz für sie bestehen. Die persönlichen Erzählungen der Diskutanten wurden dabei durch wissenschaftlich-analytische Perspektiven aus der Migrationsforschung und der konkreten Integrationsarbeit ergänzt. Ebenso wie in der politischen Debatte um Migration kristallisierten sich auch in den Input-Referaten durch Prof. Dr. Jens Schlieter von der Universität Bern und Saverio Zala, Leiter des Fachbereichs Bildung an der AOZ Zürich die Annahmen der Minarett- und später der Masseneinwanderungsinitiative als Zäsur in der bewussten Selbst- und Aussenwahrnehmung von Migranten in der Schweiz heraus.
Zugehörigkeit zur Schweiz deklinierte sich dabei in einer facettenreichen Thematisierung des Andersseins. Eine grosse Rolle spielt Sichtbarkeit in der schweizerischen Konzeption des anderen: das Gegenüber wird aufgrund von Hautfarbe und Gesichtszügen eingeordnet, wobei (scheinbare und vorgestellte) nationale Zugehörigkeit bewusst oder unbewusst ein Beurteilungskriterium für das Gegenüber bildet. Die simplizistische Kategorisierung des Anderen verschleiert dabei die oft komplexen Mehrfachzugehörigkeiten, die die Diskutanten Rohit Jain, Muris Begovic, Migmar Dhakyal, Jean Pierre Miahouakana und Mahintha Sellathurai aus der eigenen Erfahrung eindrücklich schilderten.
Viele wichtige ergänzende Hinweise gab es während der offenen Plenumsdiskussion. Dabei wurde auch das Sprechen über Migration nochmals selbst Thema und gab spannenden Meinungsverschiedenheiten Raum: während der Begriff „Secondo“ von den einen wegen seiner Betonung der Andersartigkeit als diskriminierend verworfen wird, bildet er für andere eine adäquate Beschreibung ihrer Erfahrung – besonders vor seinem historischen Hintergrund als selbst gewählter und politisch emanzipatorischer Begriff der zweiten Generation italienischer Gastarbeiter in der Schweiz.


C) PUBLIKATIONEN

Im Jahre 2015 erschienen wie geplant drei Bulletins. Anfang des Jahres ist das Heft Nr. 39 (Herbst 2014) mit dem Titel „Kaukasus – Im 21. Jahrhundert“ erschienen. Im Sommer kam das Bulletin Nr. 40 zum Thema „Körper“ heraus. Das Heft Nr. 41 mit dem Titel „Sahara und Westafrika“ erschien im Dezember 2015. Aktuelle Bulletins werden gedruckt an die Mitglieder verschickt. Nummern, die älter als ein Jahr sind, sind im Sinne des open access auf unserer Homepage als pdf-Dateien zum Herunterladen zugänglich.

INTERNATIONALE BEZIEHUNGEN

Die SGMOIK ist Mitglied der European Association of Middle Eastern Studies (EU-RAMES).

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT/INFORMATION

Die SGMOIK publiziert einen eigenen elektronischen Newsletter, der viermal im Jahr erscheint. Das Fachleuteverzeichnis der SGMOIK wird auf der Homepage publiziert.

ADMINISTRATION

Die ordentliche Generalversammlung fand am 20. Juni 2015 in Oberhofen bei Thun statt. Dort wurde Debora Ulrich (Bern) als Nachfolgerin von Martha Vogel (Basel), die aus dem Vorstand ausschied, zur Kassiererin gewählt.

Thomas Herzog

esense GmbH