Rapport annuel 2011

Rapport annuel 2011

WISSENSCHAFTLICHE TÄTIGKEIT

A) TAGUNGEN

Islam-Debatten: Schweiz – Europa/Débats sur l’islam: Suisse – Europe

29. September bis 1. Oktober 2011, Universität Bern

Die Aktivität der SGMOIK konzentrierte sich dieses Jahr auf Organisation und Durchführung dieser grossen Tagung zum Islam in der Schweiz und Europa. Dabei arbeiteten wir mit dem Groupe de recherche sur l’islam en Suisse (GRIS) und dem Seminar für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie der Universität Bern zusammen und wurden finanziell unterstützt von SAGW, SNF, der Mittelbauvereinigung und der Graduate School at the Institute for Advanced Studies, Universität Bern.

Nach dem Einführungsvortrag von Jose Casanova zu „Islam in the European Public Sphere“ war der wissenschaftliche Tag der Diskussion von bereits ausformulierten Papers in drei Panels gewidmet, fokussiert auf Islamophobie, auf Konversion und Identitätswandel und auf Islam als Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzungen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Dänemark, Grossbritannien und den USA debattierten sowohl über die neuesten Entwicklungen als auch über die Art und Weise, wie sie in Wissenschaft und Öffentlichkeit diskutiert werden. Dabei wurde auch die Frage aufgeworfen, inwieweit sich wissenschaftliche Begriffsbildungen wie zum Beispiel „Islamisierung“ in öffentlichen Debatten für andere Zwecke vereinnahmen lassen. Über die angeregten und weit gefächerten Diskussionen hinaus erwies sich die Einbindung des wissenschaftlichen Nachwuchses – das Panel zu Konversion und Identitätswandel war von Angehörigen des universitären Mittelbaus organisiert und durchgeführt worden – als voller Erfolg, von dem alle Seiten profitierten.

Der dritte Tag war der Auseinandersetzung zum Islam in der interessierten Öffentlichkeit gewidmet. Dabei gingen die Organisatoren davon aus, dass die Diskussion zum Islam in der Schweiz nicht nur die hier lebenden Muslime betrifft, sondern die schweizerische Gesellschaft als Ganzes, darum der Titel „Baustelle Schweiz“. Die Foren konzentrierten sich auf die drei Themen „Rechtssystem“, „Repräsentation“ (auf Französisch) und „Integration“. Sie begannen als moderierte Podiumsdiskussionen, bevor auch das Publikum einbezogen wurde. Auch diese Veranstaltung war trotz des sonnigen Samstags gut besucht und führte zu regen Diskussionen, auch ausserhalb des Hörsaals.

Verschiedene positive Rückmeldungen lassen die Veranstaltung als Ganzes als Erfolg erscheinen, auch wenn wissenschaftlicher Tag und öffentliche Debatte nicht so eng aufeinander bezogen waren, wie sich die Organisatoren das vorgestellt hatten. In den Medien fand die Veranstaltung ebenfalls Beachtung (NZZ, Radio DRS, swiss info, verschiedene Web-Organe). Die Publikation der wissenschaftlichen Beiträge ist geplant, eventuell auch ein zweiter Band zu den auf die Schweiz bezogenen Debatten.

B) VORTRÄGE

Film „Der Jakubijân-Bau“ (Ägypten 2006, arabisch/englisch) 5. Mai 2011, Universität Basel, Orientalisches Seminar

Hartmut Fähndrich, der Übersetzer des gleichnamigen Buches von Alaa al-Aswani, führte in das literarische Schaffen dieses Autors ein, der, wie der Film von Marwan Hamid eindrücklich zeigt, aktuelle Probleme der ägyptischen Gesellschaft in einer seltenen Offenheit anspricht. Zu diesem Basler Regionaltreffen kamen etwa ein Dutzend Personen.

Vortrag Prof. Dr. Jose Casanova, „Islam in the European Public Sphere“
29. September 2011, Universität Bern, Unitobler, 18:15-19.30.

Im Rahmen der Tagung „Islam-Debatten“ unterstützte die SGMOIK die Einladung von Religionssoziologe Jose Casanova (Georgetown University, Washington DC) für den Eröffnungsvortrag „Islam in the European Public Sphere“. Eingeführt hat Prof. Dr. Reinhard Schulze. Der Vortrag war mit rund 60 Personen gut besucht und mündete in eine lebhafte Diskussion der vorgestellten Thesen.

Afghanistan - „Staying engaged“: Gespräch mit Marianne Huber Glunz, Islamwissenschaftlerin und Entwicklungsfachfrau

8. Dezember 2011, im Restaurant Schmiedstube, Bern Marianne Huber Glunz lebt und arbeitet seit drei Jahren im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit in Kabul und Afghanistan, zuerst für Caritas
Deutschland, seit Anfang September 2011 für die DEZA. In ihrem Kurzvortag ging es vor allem um die folgenden Fragen: Was bedeutet die aktuelle Situation in Afghanistan für das Engagement von westlichen zivilen AkteurInnen (NGOs, Schweizer Regierung)? Was heisst das für die Arbeitssituation? Welche Projekte sind möglich und unter welchen Bedingungen? Welche Erfolge gibt es? Im Rahmen des Berner Regionaltreffens kam es zu einem sehr interessanten Gespräch und angeregtem Austausch unter den Anwesenden. Afghanistans Zukunft scheint düster und ungewiss, insbesondere nach dem Abzug der internationalen Streitkräfte.

Filmvorführungen zum 100. Geburtstag von Naguib Mahfouz (Bern/Basel/Zürich, geplant für Dezember 2011, verschoben auf Februar/März 2012)

Zum 100. Geburtstag des ägyptischen Nobelpreisträgers Naguib Mahfouz plant die SGMOIK eine Filmreihe mit Einführungen in sein literarisches Schaffen.

C) PUBLIKATIONEN

Im Jahre 2011 erschienen wie geplant zwei Bulletins. Das Bulletin Nr. 32 zum Thema „Muslime in der Schweiz“ist im Sommer erschienen. Das Heft Nr. 33 mit dem Titel „Interdisziplinarität/interdisciplinarité“, das Beiträge aus dem Forschungskolloquium Islamwissenschaft (foki) 2011 enthält, wird im Dezember 2011 erscheinen. Die Bulletins ab 2009 sind jetzt im Sinne des open access als pdf-Dateien auf unserer Webseite zugänglich. Geplant ist die Retrodigitalisierung aller Nummern.

INTERNATIONALE BEZIEHUNGEN
Die SGMOIK ist Mitglied der European Association of Middle Eastern Studies (EU­RAMES).

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT/INFORMATION
Die SGMOIK publiziert einen eigenen Newsletter, der viermal im Jahr erscheint. Das Fachleuteverzeichnis der SGMOIK wird auf der Homepage publiziert.

ADMINISTRATION
Die ordentliche Generalversammlung fand am 20. Mai 2011 in Fribourg statt.

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