Rapport annuel 2008

Rapport annuel 2008

WISSENSCHAFTLICHE TÄTIGKEIT

A) TAGUNGEN

Writing the History of Iraq: Historiographical and Political Challenges 6.-8. November, Institut de Hautes Etudes Internationales et du Developpement, GenèveDas internationale Kolloquium, das alle zwei Jahre die Hauptaktivität der SGMOIK bildet, fand im November in Genf statt. Es wurde dieses Mal zusammen mit dem Institut de Hautes Etudes Internationales et du Developpement organisiert und mit der Unterstützung verschiedener Sponsoren durchgeführt.

Gegen die einseitige Berichterstattung über den Irak nach dem Ende der Ära Saddam Hussein wollte das Kolloquium ein Forum schaffen für Überlegungen und Diskussionen, wie die zeitgenössische Geschichte des Irak aufgearbeitet werden kann. Dabei war das Ziel, den gewaltsamen Momenten des Bruchs eine Perspektive der langen Dauer entgegenzustellen, um die heutigen Entwicklungen in ihrer historischen Dimension beurteilen zu können. Welchen historiografischen und politischen Herausforderungen hat sich das Schreiben von Geschichte in einem Staat zu stellen, der zwischen Wiederaufbau und Implosion zu oszillieren scheint? Das Kolloquium wollte einerseits eine intellektuelle Debatte unter Irak-Spezialistinnen und -Spezialisten anstossen, andererseits den Fall Irak auch in seinen regionalen Rahmen stellen.

Die Vorträge waren in acht Panels gegliedert, moderiert von Spezialisten zu angrenzenden Regionen (Türkei, Jordanien). Leitend waren drei Fragestellungen: 1) Forschungsstand zum Irak, 2) Die Geschichte des Irak im 20. Jahrhundert, und 3) Perspektiven für die Zukunft: gibt es Paradigmen, die es ermöglichen, eine neue, andere Geschichte des Irak zu schreiben?

Das Kolloquium verlief in einer sehr konstruktiven Atmosphäre intensiver Diskussionen. Beiträge von ausgewiesenen Spezialistinnen und Spezialisten konnten mit denen einer neuen Generation von Forschenden zusammengeführt werden. Zum ersten Mal waren so viele Forschende zum Irak aus der ganzen Welt an einem Ort versammelt, zu bedauern war, dass die aktuelle Situation eine Teilnahme von Historikerinnen und Historikern aus dem Irak verhinderte. Es ist zu hoffen, dass sich dies ändert bei einer Wiederholung eines solchen Treffens, was sehr gewünscht wurde.

Die Publikation der Beiträge (in Englisch) ist in Bearbeitung und auf Ende 2009 geplant: "Writing the History of Iraq. Historiographical and Political Challenges". London: World Scientific and Imperial College Press. Eds. Riccardo Bocco (IHEID), Hamit Bozarslan (EHESS), Peter Sluglett (University of Utah) and Jordi Tejel (SGMOIK).

Forschungskolloquium "Neue Wege in der Islamwissenschaft" 28.-30. November 2008, Universität Bern Das Forschungskolloquium Islamwissenschaft ist ein Forum, in dem sich fortgeschrit­tene Studierende, Doktorierende und Habilitierende der islamwissenschaftlichen Institu­te Basel, Bern und Zürich zweimal im Semester treffen, um sich über ihre laufen­den Forschungsarbeiten auszutauschen. Die Treffen werden von Mittelbauangehörigen organisiert und die Referate sind in der Regel problem- und methodenorientiert.

In diesem Rahmen wurde zum ersten Mal ein zweitägiges Kolloquium durchgeführt, das die SGMOIK als Nachwuchsförderungsprojekt mitunterstützte. Im gut besuchten Kolloquium wurde der Frage nachgegangen, ob sich die Relevanz der eigenen For­schung heute tatsächlich nur noch aus der Anwendung von sozialwissenschaftlichen Methoden ergibt oder ob sich die Wahl der Methoden idealiter aus Fragestellung und Forschungsgegenstand ergeben sollte.

Turkey 1908-1914: Biographical Approaches 13.-15. November 2008, Universität Zürich Dieser internationale Workshop mit Teilnehmenden aus der Türkei, den USA, Kanada, Frankreich, Deutschland, Norwegen und der Schweiz wurde organisiert vom Historischen Seminar und vom Orientalischen Seminar der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit der Stiftung Forschungsstelle Schweiz-Türkei (SFST) und der SGMOIK. Fast zwanzig Beiträge beschäftigten sich aus verschiedenen Perspektiven mit der Zeit von der jungtürkischen Revolution 1908 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Trotz aller Krisen und der sich bereits abzeichnenden ideologischen Polarisierungen zeigte der biographische Zugang, dass für Angehörige unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen, u.a. für Frauen der Oberschicht, die Revolution neue Möglichkeiten eröffnete, sich in die werdende politische Öffentlichkeit einzubringen. Trotzdem sollte das gesellschaftsrevolutionäre Potential der Machtübernahme durch das Komitee für Einheit und Fortschritt nicht überschätzt werden: Die Bewahrung des Staates und türkischer Dominanz hatte oberste Priorität.

Der Workshop wandte sich nicht an ein breites Publikum, doch hielt Mehmet Şükrü Hanio?lu vom Department of Near Eastern Studies an der Universität Princeton eine öffentliche Vorlesung, die gut besucht war und eine lange Diskussion auslöste. Geplant ist eine Folgekonferenz in Princeton, die dann zu einer Publikation der Ergebnisse führen wird.

Was hält ein Imperium zusammen? Das Osmanische Reich aus translokaler Perspektive 22.-24. Februar, Universität Zürich Dieser zweitägige Workshop, unterstützt von SNF, SAGW, Gerda-Henkel-Stiftung und SGMOIK, stellte zur Diskussion, wie das Osmanische Reich als Vielvölkerstaat par excellence sein Überleben für Jahrhunderte sichern konnte. Auf der Basis des bis heute erarbeiteten Wissens und von Diskussionen zu anderen Imperien wurde aus translokalen und interdisziplinären Perspektiven diskutiert, wie sich Lokales und Imperiales bedingen, durchdringen und zusammenwirken. Die 18 Spezialistinnen aus dem deutschsprachigen Raum sahen sich herausgefordert, ihr Spezialgebiet in Richtung der angestrebten Synthese zu überdenken. Angeregte Diskussionen, der Wunsch nach einem Folgetreffen und einer Publikation weiter ausgereifter Beiträge belegen den Erfolg des gewählten Ansatzes.

B) VORTRÄGE

Am 13. Oktober 2008 sprach Dr. Samuel M. Behloul (Universität Luzern) an der Universität Basel über Islam und Katholizismus: Religionen als Thema öffentlicher Diskurse gestern und heute. Der Vortrag war eine Kooperation der SGMOIK, dem Orientalischen Seminar und der Katholischen Universitätsgemeinde,

Am 18. November 2008 referierte Dr. Yves Gonzalez-Quijano (CNRS, Université Lyon II) zum Thema L'internet arabe: un mirage politique? Der Referent beleuch­tete den Wandel, der sich im arabischen Internet zur Zeit vollzieht, sowie die Szene der Blogger und ihre Bedeutung für die zivilgesellschaftliche Diskussion (vgl. den Bericht des Online-Magazins der Universität Bern "Uniaktuell"). Organisiert wurde der Gastvortrag von der SGMOIK zusammen mit dem Institut für Islam­wissenschaft und Neuere Orientalische Philologie der Universität Bern.

C) PUBLIKATIONEN

Das Bulletin Nr. 26 (Frühlingsausgabe) "1001 Nachricht / 1001 Nouvelles", um­fangreicher als üblich, enthält die zur Verfügung gestellten Vorträge des Kolloquiums "1001 Nachricht. West-östliches Abbilden, Verstehen und Missverstehen in Medien und Politik", das im Jahre 2006 in Zürich durchgeführt wurde.

Das Bulletin Nr. 27 (Herbstausgabe) zum Thema "Mein Ägypten" wird aus organisatorischen Gründen erst Anfang 2009 erscheinen.

Im Oktober 2008 ist auch der aus einer von der SGMOIK geförderten Tagung hervorgegangene Band "Revolution islamischen Rechts. Das Schweizerische ZGB in der Türkei". Hans-Lukas Kieser, Astrid Meier, Walter Stoffel (Hg.). Zürich: Chronos 2008, erschienen.

INTERNATIONALE BEZIEHUNGEN Die SGMOIK ist Mitglied der European Association of Middle Eastern Studies (EU­RAMES).

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT/INFORMATION Das Fachleuteverzeichnis der SGMOIK ist auf der Homepage publiziert.

ADMINISTRATION

Die Generalversammlung fand am 12. April 2008 in Bern im Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie statt.

Monika Winet

esense GmbH