Journées de la relève 2010, Monte Verità
6. Schweizerische Nachwuchstagung
der SGMOIK, der SAG und des Universitären Forschungsschwerpunktes „Asien und Europa“ der Universität Zürich
in Monte Verità, 02. - 05. Mai 2010:
Ein gelungener Austausch
Während vier Tagen kamen im Mai in Monte Verità im Tessin insgesamt 41 Promovenden, Habilitanden und andere Post-doc-Nachwuchswissenschaftler zu einem Austausch über ihre Forschungsprojekte zusammen. Das Fächerspektrum umfasste die gesamte Spanne der sich mit islamischen und asiatischen Kulturen beschäftigenden Wissenschaften: Islamwissenschaft, Indologie, Sinologie, Japanologie. Dabei wurden Projekte vorgestellt, deren Hauptbezüge neben den genannten Regionen und Kulturen in der Literaturwissenschaft, der Sprachwissenschaft, der Religionswissenschaft, der Philosophie, der Politologie, der Geschichtswissenschaft, der Sozialanthropologie, der Kunstgeschichte sowie der Film- und Medienwissenschaft lagen. Zirka die Hälfte der Forschungsprojekte kam aus der Islamwissenschaft, jeweils sechs Projekte aus der Japanologie und der Sinologie und vier Projekte aus der Indologie, sodass die Anzahl der Beiträge aus den Islamwissenschaften und den (Ost)-Asienwissenschaften sich in etwa die Waage hielt. Gerade der regionenübergreifende Ansatz der Tagung hat trotz der berechtigten Kritik, das Konzept von „Asien-" und „Islamwissenschaften“ sei ein eurozentristisches und mindestens in seinem historischen Ursprung ein kolonialistisches, die Tagung so interessant gemacht.
Das Konzept, zwei zeitlich gleich getaktete, parallele Panels zu organisieren, hat sich als sinnvoll erwiesen. Mit 45 Minuten war ausreichend Zeit für die Vorträge sowie für die anschliessende Diskussion gegeben. Die Aufteilung in „Geisteswissenschaften“ und „Sozialwissenschaften“ war jedoch aufgrund der Interdisziplinarität vieler Projekte häufig künstlich, sodass es wohl sinnvoll wäre, künftig einfach von Panel A und B zu sprechen. Gut war es allerdings, nicht nach Islamwissenschaften/Asienwissenschaften zu trennen, was die von einigen Teilnehmern beklagte Tendenz, nur Vorträge aus der eigenen Regionalwissenschaft zu besuchen, noch verstärkt hätte. Eine gewisse Kritik war an der Einführung auswärtiger „Experten“ geäussert worden, welche die (undankbare) Aufgabe hatten, am Ende eines jeden Tages die vorgestellten Projekte eines Panels Revue passieren zu lassen und zu versuchen, eine methodologisch orientierte Diskussion zu stimulieren, was zu fortgeschrittener Stunde nicht immer von Erfolg gekrönt war.
In der Abschlussdiskussion wurde (wieder einmal) die Frage aufgeworfen, ob angesichts von Verständnisschwierigkeiten einiger germanophoner Teilnehmer für das Französische und einiger frankophoner Teilnehmer für das Deutsche nicht das Englische als Vortragssprache zugelassen werden sollte. Allerdings schien es doch so, dass die überwiegende Mehrheit der Nachwuchswissenschaftler mit der jeweils anderen schweizerischen Landessprache zumindest was das Hörverstehen anbelangt, keine gravierenden Probleme hatte; die Diskussion verliefen ohnehin häufig nach guter Schweizer Art mehrsprachig. Die Einheit von Unterkunft und Tagung brachte schliesslich viele informelle Momente des Austauschs der Nachwuchswissenschaftler untereinander und mit den betreuenden Professoren mit sich, die einen erheblichen Teil zum Gelingen der Tagung beitrugen.
Alles in allem war es eine ausgesprochen gelungene Tagung (trotz fast ständigen Regens!), gerade auch was die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen der SGMOIK und der SAG anbetraf, für die ich namentlich Herrn Prof. Rudolph und Herrn Prof. Gassmann, meinen herzlichen Dank aussprechen möchte.
Thomas Herzog (Bern)