Open-Access-Konferenz - ein Tagungsbericht

mardi 04. décembre 2018

Rückblick zur "14th Berlin Open Access Conference 2018"

Bereits zum 14. Mal lud die Max-Planck-Gesellschaft am 3./4. Dezember zur Open Access-Konferenz ins Harnack Haus ein. 36 Nationen und internationale Vereinigungen waren der Einladung gefolgt. Zwei Hauptpunkte standen auf der Traktandenliste der Konferenz: Die Delegationen der Länder hinter die Zielsetzungen des Plan S zu scharen sowie einen Austausch mit den Repräsentanten der drei grössten internationalen Verlage, Elsevier, Springer und Wiley zu führen. Dr. Beat Immenhauser war für die SAGW vor Ort.

Plan S in der zweiten Runde
Der Anfang September 2018 im Auftrag der EU-Kommission lancierte Plan S, dem ein riesiges Echo in der Academia und weit darüber hinaus beschieden war, sowie die jüngst publizierten Ausführungsbestimmungen bildeten explizit und implizit den Rahmen vieler Beiträge. Die radikale Beschleunigung der «transformative actions», also der Einführung von Read & Publish-Vereinbarungen mit den grössten internationalen Verlagen mit unmittelbarem freien Open Access unter einer CC-BY-Lizenz steht vielerorts zur Debatte. Insbesondere Elsevier geriet dabei ins Kritikfeuer, da ausser Italien kein europäisches Land einen «Big Deal» mit diesem Verlag schliessen konnte – zu unterschiedlich sind gegenwärtig die Vorstellungen, wie die Transformation zum Open Access ausgestaltet werden soll. Die Folge davon ist, dass beispielsweise Deutschland und Schweden, weitere werden folgen, keinen Vertrag mehr mit Elsevier haben, was «Schattenbibliotheken» wie Sci-Hub in diesen Ländern noch stärker auf den Plan bringen als bisher.

Weltweites Bekenntnis zur schnellen Umsetzung von Open Access – auch von China
Insgesamt war das Bemühen spürbar, die Reihen hinter der OA2020-Initiative der Max Planck-Gesellschaft nicht mehr primär zu vergrössern, sondern vielmehr zu einen – im Hinblick auf die anstehenden Verhandlungen der Konsortien vor allem mit Elsevier. Eindrücklich orchestriert wurde das anlässlich der Panel-Diskussion mit den jeweiligen Verlagsvertretungen: Dort bekräftigen die nationalen VertreterInnen von Südamerika, China, Niederlande, USA, Schweden und Japan sowie Marc Schiltz (Präsident von Science Europe) und Lidia Borrell-Damian (Direktorin der European University Association) unisono ihren Willen und ihre Entschlossenheit, Open Access nun so schnell als möglich umzusetzen. Insbesondere das uneingeschränkte Bekenntnis von China zum freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen fand grosse Beachtung.

Kein Show-Down mit Elsevier
Wer nun jedoch einen animierten Wortwechsel vor allem von Ron Mobed, dem CEO von Elsevier, mit den Pannel-Mitgliedern erwartet hatte, sah sich getäuscht. Den Bekräftigungen der nationalen RepräsentantInnen, dass nun schnelle Verhandlungserfolge erwartet werden, entgegnete Mobed, dass Elsevier für die meisten Bedürfnisse – Extrempositionen hätten sie aussortiert – entsprechende Modelle im Angebot hätten, die Transformation brauche eben ihre Zeit. Die Teilnehmenden blieben mit dem Eindruck zurück, dass man sich nicht näher gekommen ist, weitere Diskussionen werden mit Bestimmtheit folgen. Ermutigend ist jedoch die Tatsache, dass die Delegationen eine gemeinsame Schlusserklärung unterzeichnet haben, mit folgenden Schwerpunkten:

We are all committed to authors retaining their copyrights,
We are all committed to complete and immediate open access,
We are all committed to accelerating the progress of open access through transformative agreements that are temporary and transitional, with a shift to full open access within a very few years. These agreements should, at least initially, be cost-neutral, with the expectation that economic adjustments will follow as the markets transform.

Wie weiter in der Schweiz?
Viele Anliegen des Plan S, insbesondere seit sie in den Ausführungsbestimmungen zu den zehn Punkten ausgeführt und dabei etwas von ihrer Schärfe verloren haben, finden auch hierzulande Zustimmung, indem etwa ausdrücklich der Gold sowie der Green Open Access, letzterer allerdings ohne Sperrfrist, für kompatibel erklärt werden. Problematisch erscheint jedoch nach wie vor der forsche Zeitplan: Plan S soll am 1.1.2020 in Kraft treten. Eine solche Zeitlimite wird in der Schweiz gegenwärtig nicht angestrebt: Der Schweizerische Nationalfonds will auf Ende 2020 den Open Access vollumfänglich einführen, swissuniversities bis 2024. Diese Fragen werden relevant vor dem Hintergrund, dass die europäischen Forschungsorganisationen, allen voran Horizon Europe (das Nachfolgerahmenprogramm von Horizon 2020 ab 2021), den Plan S ratifizieren werden. Die Schweiz wird hier einen Weg finden müssen, auf der einen Seite einen kühlen Kopf zu behalten – proklamatorische Open Access-Erklärungen ohne ausreichenden Rückhalt bei den Forschenden, den Universitäten und den Schweizer Verlagen sowie ohne entsprechende Infrastrukturen machen wenig Sinn – und auf der anderen Seite nicht zu einer Insel in der europäischen Forschungsförderung zu werden. Die Zahlen hingegen, mit 40 Prozent Open-Access-Publikationen gehört die Schweiz zur europäischen Spitzengruppe, lassen den Schluss zu, dass wir auf einem guten Weg sind.

Bericht: Dr. Beat Immenhauser

L 14th Berlin Open Access Conference | December 3-4, 2018, final statement

Kontakt

Dr. Beat Immenhauser

Stv. Generalsekretär

SAGW
Haus der Akademien
Laupenstrasse 7
Postfach
3001 Bern

beat.immenhauser [at] sagw.ch

++41 (0)31 306 92 52

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