Gastvortrag von Dr. Torben Philipp: Öl-Skizzen. Sowjetische Petro-Imagination um 1930

vendredi 08. décembre 2017 , 14:00-16:00 — Universität Zürich, Slavisches Seminar, Plattenstrasse 43, Seminarraum, PLG 111

Gastvortrag von Dr. Torben Philipp: Öl-Skizzen. Sowjetische Petro-Imagination um 1930

Sonja Ulrich

Das Vortragsgespräch von und mit Torben Philipp widmet sich dem Erdöl als „Stoff“ der Skizze im 20. Jahrhundert. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass Rohstoffe wie Öl, Kohle oder Wasser nicht bloß „neutrale“ bio-physikalische und wirtschaftsrelevante Substanzen zur Energieerzeugung darstellen, sondern ebenso in einen breiten kulturellen Kontext eingebunden sind und die Identität Russlands und der Sowjetunion mitformen. Das Erdöl etwa generiert Metaphern und Narrative einer nationalen Idee, ideologischer Überlegenheit (Prometheismus) oder imaginärer Geographien in seinen Pipelines, Bohrfeldern und Technoarchitekturen. Zeitgleich markiert es „Kontaktzonen“ zwischen Natur und Kultur, Humanem und Non-Humanem. So lässt sich von einer spezifischen Form von „Petro-Imagination“ in Literatur, Kunst und Film sprechen, die sich aus der exzentrischen Stofflichkeit des Erdöls ableitet. Dessen abstoßende materiellen Qualitäten und subterrane Herkunft scheinen es zunächst aus dem Feld der ästhetischen Repräsentation auszugrenzen. Gleichzeitig jedoch werden das Auffinden der Quelle, deren Ausbruch oder der „öldurchtränkte Mensch“ mystifiziert und affektiv überhöht. Das „Blut der Erde“ sakralisiert die Böden, aus denen es sprudelt und bildet zugleich besondere poetische und (kin-) ästhetische Codes aus, die physische und metaphysische Qualitäten verkoppeln. In der Sitzung sollen zwei Linien miteinander verbunden werden: Einerseits die besondere erzählerische Dimension der očerk-Literatur um 1930, zum anderen die spezifische Aneignung des Öls in der Literatur, aber auch visuellen Kultur im 20.Jahrhundert. Zur Vorbereitung empfohlen sind zwei „Erdöl-Skizzen“: S. Urnis‘ Рассказы о нефти (1935) und der Eingangstext aus M. Gor’kijs По Союзу Советов (1928).

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