Was ist Alpenforschung?
Mit dem Schwerpunkt «Alpenforschung» will die SAGW die Forschung im und zum Alpen- und Gebirgsraum fördern. Dies aufgrund der Erkenntnis, dass der Alpenraum (und Gebirgsräume überhaupt) als Region mit sehr spezifischen geographischen und physischen Voraussetzungen ebenso spezifische soziale und kulturelle Ausprägungen zeigt, die spezifischer Lösungen und Handlungskonzepte bedürfen. Um wirksame Lösungen erarbeiten zu können, müssen natur- wie auch sozial- und kulturwissenschaftliche Aspekte berücksichtigt werden – Alpenforschung stellt demnach ein ausserordentlich interdisziplinäres Forschungsfeld dar.
Die Kommission
Die Arbeiten werden von einer Kommission geleitet. In der Schweiz existiert – ganz im Gegensatz etwa zu Frankreich (Maison des Sciences de l'Homme-Alpes) oder Österreich (Forschungsstelle für Gebirgsforschung: Mensch und Umwelt – IGF) – kein interdisziplinär tätiges Gebirgsforschungsinstitut. Stattdessen beschäftigen sich in der Schweiz ungefähr 200 Institute an Hochschulen, Fachhochschulen oder nationalen Forschungsinstitutionen mit Alpen- und Gebirgsfragen. Eine der Aufgaben des Schwerpunktes «Alpenforschung» ist es daher, mit bestehenden Initiativen zu kooperieren und diese bei Bedarf zu koordinieren. Eine wichtige Rolle spielt die ICAS auch beim kürzlich abgeschlossenen Nationalen Forschungsprojekt «Landschaften und Lebensräume der Alpen» (NFP 48).
Die internationale Vernetzung
Viele der Forschungsfragen um den Gebirgsraum stellen sich nicht allein auf lokaler oder nationaler Ebene. Neu und akut auftretende Probleme im Zusammenhang mit der Globalisierung oder dem Klimawandel bedingen globale Ansätze und internationale Kooperationen. Es geht dabei um Themenkomplexe wie Verkehrs- und Transitachsen, Tourismus, Wassernutzung oder Abwanderung.
Die internationalen Themen und Aktivitäten werden von einer international besetzten Schwesterkommission, dem Internationalen Wissenschaftlichen Komitee Alpenforschung International Scientific Committee on Research in the Alps – ISCAR, koordiniert. Mitglieder der ISCAR sind die sechs Alpenstaaten Deutschland, Slowenien, Frankreich, Italien, Österreich und die Schweiz.
Ein grosser Erfolg auf internationaler Ebene ist, dass die ISCAR offiziell als Beobachter der Alpenkonvention anerkannt ist. In dieser Funktion konnte sie an der Forschungsagenda 2005–2010 der Alpenkonvention mitarbeiten.
Ziele des Schwerpunktes «Alpenforschung»
- Förderung der interdisziplinären Alpenforschung
- Vermittlung von Ergebnissen aus der internationalen Alpenforschung
- Aufbau nationaler und internationaler Forschernetzwerke
- Vernetzung zwischen Forschung, Politik, Verwaltung und Nichtregierungsorganisationen
- Förderung des Dialogs Alpenforschung – Gesellschaft zusammen mit Vertretern aus Wirtschaft, Verwaltung, Bildung und Politik
Das Informationssystem
Die ICAS betreibt ein Informationssystem mit zahlreichen Personen-, Projekt- und Forschungsdaten.
Bisherige Tagungen zur «Alpenforschung»
- Les sciences de la culture face à l’espace alpin (1998)
- Landschaft und Lebensraum aus kulturwissenschaftlicher Perspektive (2000)
- Das Wasser der Alpen – Nutzungskonflikte und Lösungsansätze (2001)
- Kulturelle Diversität im Alpenraum (2002)
- Alpenforschung – wie weiter? Bilanz und Perspektiven des Nationalen Forschungsprogramms Landschaften und Lebensräume der Alpen (NFP 48) aus der Sicht der Geistes- und Sozialwissenschaften (2007)
Seit ihrer Gründung führt die ICAS ausserdem regelmässig die Nachwuchstagung PhilAlp durch und fördert so junge Forschende. Auf der internationalen Ebene wird zudem das zweijährlich stattfindende ForumAlpinum organisiert. Im Jahre 2007 fand dieses in der Schweiz – in Engelberg – statt.
Publikationen zur Alpenforschung
- Recherche alpine. Les sciences de la culture face à l’espace alpin. Acte de l’atelier de recherche de l’Académie suisse des sciences humaines et sociales. Château de Hünigen, 27/28 novembre 1998, Eigenverlag, Bern 1999.
- Landschaft und Lebensraum aus kulturwissenschaftlicher Perspektive. Workshop der SAGW in Thun, 3./4. November 2000, Eigenverlag, Bern 2001.
- Kulturelle Diversität im Alpenraum. Workshop der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften in Thun, 29./30. November 2002, Eigenverlag, Bern 2003.
Publikationen Alpenforschung
Akadmievorträge
Kulturlandschaft zwischen Bild und Wirklichkeit.
Wolfgang Haber, Heft IX der Akademievorträge, Eigenverlag, Bern 2002. (vergriffen)
Ferdinand Hodler – Bilder der Alpen.
Oskar Bätschmann, Heft XIII der Akademievorträge, Edition SAGW, Bern 2005