Kooperation SAGW - Programm für Wissenschaftsforschung, Universität Basel
Die Tagung "Für eine neue Kultur der Geisteswissenschaften?" wird in Kooperation mit dem Programm für Wissenschaftsforschung der Universität Basel durchgeführt. Der Lehrstuhl stellt mit dem unten ersichtlichen Dokument mit dem Titel "Stichworte" Materialien für die Tagung zur Verfügung.
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Alumni Magazin Uni Basel, 1/2012 — 23.05.2012
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Qualitätsmessung in den Geisteswissenschaften. Interview mit Rektor Prof. Dr. Antonio Loprieno und Tagungsbericht von Marlene Iseli zur Tagung «Für eine neue Kultur der Geisteswissenschaften?» vom November 2011.
STICHWORTE zur aktuellen Lage der Geisteswissenschaften
Eine Art Gebrauchsanleitung
Nach den Legitimations-Debatten der 1990er Jahre und den Kulturwissenschafts-Programmen der 2000er Jahre stehen die Geisteswissenschaften im Gefolge der Bologna- und Universitätsreformen heute erneut in der Diskussion - nunmehr v.a. im Lichte bildungs-, hochschul- und wissenschaftspolitischer Fragen. Damit sind neue Probleme und Forderungen hinzugekommen, die mindestens vier Kernbereiche akademischer Praxis tangieren:
- In der Lehre sehen sich die Geisteswissenschaftler mit Appellen nach mehr und besserer Employability ihrer Absolventen konfrontiert. Dies wirft die Frage auf, ob und wie das geisteswissenschaftliche Studienangebot angemessen auf die neuen Arbeitsmärkte reagieren kann.
- In der Forschung soll das Projekt zunehmend die Normalarbeits-, Organisations- und Finanzierungsform bilden. Damit stellt sich die Frage, wie sich Forschung als innovationsorientierter Handlungstypus und das Projekt als spezifische Organisationsform zueinander verhalten: Inwiefern ist dieses Verhältnis produktiv? Wo zeitigt es möglicherweise unerwünschte Nebenfolgen?
- Qualitätsmessung und –controlling beanspruchen, zentrale Instrumente von Hochschulsteuerung zu werden. Hier stellt sich die Frage sowohl nach den Kriterien der Qualitätsbestimmung wie nach dem Nutzen, der Machbarkeit und den Effekten neuer Steuerungssysteme.
- Und auch die Nützlichkeitsfrage steht mit der Konstruktion neuer Öffentlichkeiten nach dem Stakeholder-Modell wieder auf der Tagesordnung. Wem gegenüber sind die Geisteswissenschaften in der Rechenschaftspflicht, welche Anspruchsgruppen bestimmen die Agenda ihrer Forschung mit und welchen Nutzen zieht die Gesellschaft aus ihnen?
Zu all diesen Themen finden sich kontroverse Debatten sowohl im akademischen Innenfeld als auch in ihren wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Umfeldern. Zu den Akteuren gehören Geisteswissenschaftler verschiedener Disziplinen, journalistische und soziologische Beobachter, ebenso wie Hochschulpolitiker und Hochschulgesetzgeber, Arbeitsmarktforscher und Berater.
Die folgenden Textausschnitte versammeln Stimmen und Dokumente aus diesen ver-schiedenen Feldern. Ziel ist die Ausbreitung eines Diskussionstableaus, das einige der Hintergründe und Kraftlinien dieser neuen (alten) Debatten kartiert sowie unterschiedliche Positionen und Erfahrungen mit den neuen Wissenschaftskoordinaten festhält.
Das dabei entstehende Spektrum ist weder vollständig, noch abgewogen – im Gegenteil: Obwohl die Notwendigkeit zur Erneuerung der Geisteswissenschaften angesichts veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen im Prinzip breite Zustimmung findet, sorgen die konkreten organisatorischen Umsetzungen zum Teil für Bedenken, Skepsis oder gar Widerstand.
Soll der Aufbruch der Geisteswissenschaften gelingen, gilt es sich diesen Einwänden ernsthaft zu stellen. In diesem Sinne weisen unsere Stichworte ein Ungleichgewicht zugunsten jener Reaktionen auf, die auf Reibungsmomente in den gegenwärtigen Umbauprozessen verweisen. Manche dieser Statements sind von heftiger Polemik gekennzeichnet und repräsentieren damit gewissermassen die Extreme der Diskussion (und der Emotionen, die sie zuweilen begleiten).
Ziel der „Stichworte“ ist, zu jedem Schwerpunktthema auf wenigen Seiten Materialien bereitzustellen, damit in Kenntnis solcher Stimmen eine Diskussion darüber geführt werden kann, wie die Belange und Positionen der Geisteswissenschaften mit den Forderungen ihrer Umwelten zu vermitteln wären – und zwar jenseits programmatischer Verhärtungen oder Fatalismen.
Es gilt eine Antwort auf die Frage zu finden, ob und ggf. in welcher Hinsicht die Geisteswissenschaften über eine neue Kultur nachdenken.
Anmerkung: Hervorhebungen in den Textausschnitten wurden von uns nachträglich hinzugefügt und sollen die Lektüre erleichtern.
Gesamtes Dokument: siehe rechts
Kommentierte Auswahlbibliographie zur SAGW-Tagung
siehe rechts