Qualitäts- und Leistungsbeurteilung

Qualitäts- und Leistungsbeurteilung

Bisherige Aktivitäten der SAGW im Themenbereich und Ausblick

Seit mehreren Jahren setzt sich die SAGW mit Fragen des Qualitätsmanagements auseinander, hat durch die Organisation von Tagungen (wie «Für eine neue Kultur der Geisteswissenschaften?» 2011, «Forschungsevaluation und geisteswissenschaftliche Fachkulturen: Transparenz, Topographie oder Bewertung» 2012) eine Plattform für den Austausch geboten, regelmässig im Bulletin über relevante Projekte und Vorstösse berichtet und wird sich dieser Thematik weiterhin zuwenden.

Das Anliegen, sich über mögliche Indikatoren einer Qualitätsbeurteilung zu verständigen und damit deren Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen möglichst zu kontrollieren, verfolgte die Präsidentenkonferenz im Rahmen der Jahresversammlung 2013 der SAGW. Die Akademie forderte ihre Mitgliedgesellschaften auf, grundlegende Empfehlungen für die Qualitäts- und Leistungsbeurteilung zuhanden der universitären Evaluationsstellen zu erarbeiten, die den Eigenschaften und Eigenheiten der einzelnen Disziplinen Rechnung tragen. Dies dürfte zur Selbstverständigung über die Kriterien und Ziele guter Forschung, Lehre, Transfer- und Förderleistungen im geistes- und sozialwissenschaftlichen Alltag beitragen und kann im Sinne der im Positionspapier «Für eine Erneuerung der Geisteswissenschaften» aufgeführten Empfehlungen eine gemeinsame Wissenschaftskultur befördern.

Publikation: Ein Synthesebericht und Stellungnahmen aus den Fachgesellschaften der SAGW

Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (2016). Qualitäts- und Leistungsbeurteilung in den Geistes- und Sozialwissenschaften: Prinzipien, Ansätze und Verfahren. Swiss Academies Reports 11 (2).

DOI L Wissenschaft im Wandel

Qualität statt Quantität - Standpunkte

Dr. Markus Zürcher
Generalsekretär der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften

Im Wettbewerb um Spitzenplätze im internationalen Forschungsranking dient der Impactfaktor von Publikationen als Standardwährung. Im Februar 2018 publizierte das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation einen Bericht, der zeigt, dass die Schweizer Publikationen in den Jahren 2011-2015 weltweit den dritthöchsten «Impact» erzielten. Was eine objektive Messung spiegelt, ist eine Konstruktion, welche die verschiedenen Wissenschaftsbereiche benachteiligt oder bevorteilt: Beachtet werden nur internationale Zeitschriften mit Referenzsprache Englisch.

Schwerer als der Bias wiegen die vom Impact Faktor ausgehenden Fehlanreize und negativen Folgen: So konstatieren wir ein kostenträchtiges exponentielles, überdies sinnloses Wachstum der Anzahl Publikationen, da mehr als 50% der Artikel nie zitiert werden. Auch nicht im Interesse des Erkenntnisgewinns ist, dass Ergebnisse segmentiert veröffentlicht werden, um den Impact Faktor zu erhöhen. Da alle in Zeitschriften mit hohem Impact Faktor publizieren wollen, verzögert sich die Veröffentlichung wichtiger Erkenntnisse. Relevante Ergebnisse in weniger renommierten Zeitschriften werden hingegen weniger beachtet. Nicht die Qualität des Artikels, sondern der Impact Faktor der Zeitschrift gilt.

Es ist an der Zeit, dass im universitären Feld Ergebnisse wieder debattiert und nicht gezählt werden, denn gerade auch für den Wissenschaftsbereich gilt das Gersham Law: «Work that produces measurable outcomes tends to drive out work that produces unmeasurable outcomes». Verdrängt wird im Wissenschaftssystem gegenwärtig das Lesen von Artikeln sowie deren kritische Prüfung und Diskussion.

Standpunkte 18.7.2018, future - Netzwerk für den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik

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Kontakt

Dr. Marlène Iseli

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Sektion 5 und Sektion 7

SAGW
Haus der Akademien
Laupenstrasse 7
Postfach
3001 Bern

marlene.iseli [at] sagw.ch

++41 (0)31 306 92 50/56

Dossier Bulletin

SAGW-Bulletin 2/2011, Dossier: Qualitäts- und Leistungsmessung in den Geisteswissenschaften

Beiträge zum Themenfeld Hochschulsteuerung

Beiträge zum Themenfeld "Hochschulsteuerung im Zeichen von Qualität und Leistung", Auszug aus den Akten der SAGW-Veranstaltung "Für eine neue Kultur der Geisteswissenschaften?", 30. November -2. Dezember 2011, Bern

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