Sozialbericht

Dienstag 04. Oktober 2016

Sozialbericht 2016: Ungleichheit macht unglücklich

Armut, Arbeitslosigkeit und andere Formen der Ausgrenzung beeinträchtigen das persönliche Wohlbefinden. Dies zeigt der Sozialbericht 2016, der vom Schweizer Kompetenzzentrum Sozialwissenschaften FORS mit der Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds herausgegeben wird.

Allgemein ist die Schweizer Bevölkerung zufrieden, glücklich und nimmt das Leben als sinnvoll wahr. Im Detail aber zeigen sich grosse Unterschiede in der Zufriedenheit. Zu diesem Schluss kommt der Sozialbericht 2016 (*) zum Thema Wohlbefinden. Dieser wird vom Schweizer Kompetenzzentrum Sozialwissenschaften FORS herausgegeben, unterstützt durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF). Der Bericht untersucht die subjektive Befindlichkeit der Schweizer Bevölkerung. Er geht ihrer Zufriedenheit innerhalb verschiedener Lebensbereiche wie Beruf, Familie und Freizeit sowie ihren Freuden und Sorgen nach. Um das vielschichtige Konstrukt des Wohlbefindens zu erfassen, wurden verschiedene nationale und internationale Datenbanken ausgewertet.

An Armut und Ausgrenzung gewöhnt man sich nicht
Der Bericht zeigt: Das Wohlbefinden wird ernsthaft beeinträchtigt, wenn Personen Ausgrenzung erfahren, sei es weil sie aus dem Bildungssystem oder Arbeitsmarkt herausfallen oder weil die finanzielle Situation in die Armut führt. So sind Arbeitslose, invaliditätsbedingt Pensionierte und Armutsbetroffene deutlich weniger zufrieden mit ihrem Leben. Das bleibt über die Jahre gleich: An Armut und Ausgrenzung gewöhnt man sich nicht.
Die Schweizer Bevölkerung ist sehr zufrieden mit dem Bildungssystem und auch die Zufriedenheit mit der Arbeit und den Arbeitsbedingungen ist hoch. Zwar sind Personen mit einem hohen Einkommen erwartungsgemäss zufriedener mit ihrer finanziellen Situation und machen sich weniger Sorgen. Aber ihre allgemeine Lebenszufriedenheit ist nicht höher als jene von Personen mit einem etwas geringeren Einkommen.

Heirat und Elternschaft wirken nur kurzfristig positiv

Ebenfalls sehr zufrieden sind die Befragten mit dem sozialen Umfeld. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Kleinfamilie. Menschen in einer Partnerbeziehung sind tendenziell zufriedener, erleben mehr Freuden und sind weniger traurig als Menschen ohne Partnerschaft.
Lebensereignisse wie heiraten oder die Geburt des ersten Kindes erhöhen das subjektive Wohlbefinden bereits im Vorfeld des Ereignisses, der Effekt flacht aber nach dem Ereignis bald wieder ab. Das Wohlbefinden von Verheirateten ist höher als das von Geschiedenen oder Verwitweten. Das weitaus tiefste Wohlbefinden haben aber getrennte Personen. Übergangsphasen scheinen das Wohlbefinden am stärksten zu beeinträchtigen.

Junge sind zufrieden mit der Gesundheit, Alte geniessen die freie Zeit
Im Lauf des Lebens ändert sich die Zufriedenheit mit verschiedenen Lebensbereichen. So nimmt die Zufriedenheit mit der Gesundheit mit dem Alter ab und jene mit der finanziellen Situation nimmt zu. Zufrieden mit ihrer freien Zeit sind alte und junge Menschen. Weniger zufrieden sind Personen mittleren Alters, da oft neben Beruf und Familie nicht viel freie Zeit bleibt. Die allgemeine Lebenszufriedenheit und ein subjektiv sinnvolles Leben sind hingegen weniger eine Frage des Alters.
Die Ergebnisse des Sozialberichtes zum Wohlbefinden der Schweizer Bevölkerung zeigen, dass mit der Berücksichtigung subjektiver Aspekte der Analyse von Ungleichheiten eine weitere Facette hinzugefügt werden und die Sozialberichterstattung dadurch bereichert werden kann.


(*) Franziska Ehrler, Felix Bühlmann, Peter Farago, François Höpflinger, Dominique Joye, Pasqualina Perrig-Chiello und Christian Suter (Hrsg.). Sozialbericht 2016: Wohlbefinden. Zürich: Seismo-Verlag, 324 S.

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