Die SAGW reagiert auf einen Artikel im Tagesanzeiger und Der Bund

Montag 20. August 2012

Richtigstellung «Doktor Arbeitslos» vom 13.8.2012, Tagesanzeiger und Der Bund

Erschienen im Leserforum des Tagesanzeigers vom 17. August 2012

Unter dem Titel «Doktor Arbeitslos» (Tagesanzeiger und der Bund vom 13.8.2012) wird die Arbeitsmarktsituation von Absolventen geistes- und sozialwissenschaftlicher Studiengänge verkürzt und damit irreführend dargestellt. Zwar gestaltet sich deren Übertritt von der Universität ins Berufsleben schwierig, doch zeigen die Absolventenbefragungen, dass gerade Promovierte rund ein Jahr nach dem Abschluss eine ihren Qualifikationen angemessene Stelle finden. Die SAGW hatte lediglich die Möglichkeit, einen Leserbrief zu platzieren.

 

Richtigstellung «Doktor Arbeitslos» vom 13.8.2012, Tagesanzeiger und Der Bund

Unter dem Titel „Doktor Arbeitslos“ wird die Arbeitsmarktsituation  von Absolventen geistes-­ und sozialwissenschaftlicher Studiengänge verkürzt und damit irreführend dargestellt. Zwar gestaltet sich deren Übertritt von der Universität ins Berufsleben schwierig, doch zeigen die AbsolventInnenbefragungen, dass gerade Promovierte rund ein Jahr nach Abschluss eine ihren Qualifikationen angemessene Stelle finden. Gerade mal 1% der promovierten Geistes-­ und Sozialwissenschaftern befinden sich zu diesem Zeitpunkt in einer Praktikumssituation. Auch der weitere Berufsweg zeigt klar nach oben: Knapp die Hälfte der Promovierten versieht eine Kaderstelle und Promovierte werden fünf Jahre nach Abschluss deutlich besser entlöhnt als Absolventen ohne Promotion. Aussagekräftig ist nicht die Zahl der bei der Arbeitsvermittlung registrierten Doktoren, sondern vielmehr deren berufliche Situation ein bis zwei Jahre nach ihrem Abschluss. Unzulässig ist auch der Vergleich mit Deutschland, da sich sowohl die Erwerbslosenquote als auch die Absolventenquote der beiden Länder auf einem anderen Niveau bewegen. Schliesslich wird übersehen, dass eine seit den neunziger Jahren rückläufige Promotionsquote in den Geistes-­ und Sozialwissenschaften zu Gegenmassnahmen Anlass gab. Mit der nun erfolgten Erhöhung der Doktorandenquote wird also eine hochschulpolitische Zielvorgabe eingelöst. Ein sorgfältigerer Umgang mit statistischen Daten wäre wünschenswert, will man eine differenzierte Diskussion über das Verhältnis von akademischer Ausbildung und Arbeitsmarkterfordernissen führen. Diese Leistung wurde nicht erbracht – vielmehr wurden einmal mehr Clichés bedient.

 

Dr. des. Marlene Iseli, wiss. Mitarbeiterin SAGW

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